Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1931)
- Date
- 1931-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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bei gleichzeitig unvermindertem Andauern des aktiven zionistischen Interesses und Arbeitseifers (was für einen Sinn hätte denn die Sache sonst?) habe ich weder im „Hechaver", während seiner Farbenperiode, noch in sonst mir bekannten Couleurverbindungen etwas gemerkt. Vielmehr herrscht hei dem Durch&chnittsburschen, sobald er durch das Burschenexamen der „Armeedisziplin" der Fuxia entronnen ist, das begreifliche Verlangen vor, sich für die ausgestandenen Mühen durch „Regieren" nach Herzenslust zu entschädigen und die Erfüllung zionistischer Pflichten dem „Objekt seiner Machtbefugnis", d. h. dem „ausführenden Instrument in Gestalt der Fuxia" zu überlassen. Wir Zionisten bekämpfen nichts so sehr wie die Galuthpsychologie, die Normen und Wertmesser für eigene Lebensgestaltung der nicht jüdischen Umwelt entnimmt. Doch Stein erklärt, daß „das Tragen der Couleur sehr weitgehend von äußeren Umständen abhängt" und daß „ein zionistischer Akademiker sich nicht mit den arischen Kommilitionen indentifizieren wird, welche die Verbindungen der jüdischen Studenten als minderwertig behandeln." Was für Basel, wo die helvetischen Arier die Juden an ihrem Präsidialtische dulden, recht ist, ist für Riga und Warschau, wo man den jüdischen Couleurstudenten nicht einmal seine Farben offen tragen läßt, nicht billig? Würde Stein etwa, wenn die Schweizer Studentenschaft ihr Verhalten gegenüber der jüdischen Verbindung nach dem Vorbilde ihrer deutschen oder lettischen Kommilitonen ändern sollte, sich genötigt sehen, auf die angeblich aus pädagogischen Rücksichten so notwendige Couleur zu verzichten? Wie will man Charaktererziehung an jungen Menschen leisten, wenn man seine eigene Einstellung a priori vom Verhalten der nichtjüdischen Umwelt abhängig macht? Statt jeder weiteren Polemik seien noch folgende Zeilen aus dem oben zitierten Aufsatze von Bbr. Julius Levinsohn angeführt: „Die junge Generation des K.J.V. empfand aber die Ablehnung der studentischen Form als einer fremden gerade aus ihrer gesteigerten zionistischen Gewissenhaftigkeit heraus erheblich stärker als die Notwendigkeit, den inneren Erfolg überhaupt mit äußerlichen .Mitteln erreichen zu können .... Sie empfand diesen Zustand .... als unerträglich für ein Menschentum, das sich in den neuen Ideen der Unterordnung durch eigenen Entschluß zu entfalten bemühte und gerade in dem atomisierten Juden einer überwundenen Epoche den Menschen sah, der nur durch äußere Zwangsmittel und Zwangslagen zu einem Zusammenhang rein zweckhafter Natur zu bewegen gewesen wa r." Nein, mit äußeren Mitteln überwundener Epochen „geht es" nun einmal nicht, selbst wenn sie unter Aufgebot schweren ideologischen Geschützes aus jedem K.J.V.er vertrauten Gedankengängen über Notwendigkeit und erzieherischen Wert der zionistischen Korporation verteidigt werden. Ideologische Brocken im Dienste apologetischer Zwecke ergeben bestenfalls „Salonideologie", Nichts gefährdet unsere Bewährung in einer an tragi- 10