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Der jüdische Student · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Soweit wäre man also heute schon in Basel, wenn man aus dem Aufsatze von Stein auf die gesamte „Jordania" schließen darf. Die „Jordania" befindet sich in der für eine jüdische Couleurverbindung beispiellos glücklichen Lage, als solche in der örtlichen Studentenschaft hundertprozentige Gleichberechtigung, das Präsidieren im Chargiertenkonvent eingeschlossen, zu genießen. Was Wunder, daß man sich diese Herrlichkeit gerne gefallen läßt und ihre Existenzberechtigung vor seinem zionistischen Gewissen zu verantworten sucht? Daß dieses Gewissen sich regt, ist da® Erfreuliche am Steinschen Aufsatze. Man merkt förmlich den inneren Ruck, mit dem die Form, deren Heiligsprechung dem Wesen der Couleurverbindung immanent ist, hier in den Bereich der Diskussion gezogen wird. Die ins Wanken kommende Ueberzeugung versucht man durch ein Verfahren zu stützen, daß in der Taktik einer gewissen apologetischen Literatur, die antisemitische Angriffe nur durch geflissentliche Vertuschung de® Tatbestandes unwirksam machen zu können glaubt, verzweifelt ähnlich sieht. Also Ehrenrettung der Couleur durch Bagatellisierung! So wird der Couleur bloß akzessorische Bedeutung beigelegt — sehr im Gegensatz zu ihrer wirklichen Rolle im Leben einer Verbindung (das wissen wir in Riga aus eigener Erfahrung!). So wird ihre Notwendigkeit als Suggestionsmittel durch das niedrige geistige Niveau des heutigen Akademikers gerechtfertigt (also Couleur bloß als notwendiges U e b e 1?). So wird die Couleur schließlich zum Symbol verflüchtigt und zu ihrer Rettung der jüdische Ritu* herbemüht! Symbole sind ja an sich nichts Unjüdisches. Es kommt aber darauf an, wofür sie Ausdruck sein sollen und ob sie mit den Tendenzen ihrer gegenwärtigen Träger im Einklang stehen. Gewiß ist die Form eines Symbols oft langlebiger als sein Inhalt, aber wehe der Generation, deren neue Inhalte nicht imstande sind, die alten, abgelebten Formen zu sprengen! Im Zeichen von Formen; die ständische Absonderung und privilegierte Pflichtlosigkeit in dulci jubilo symbolisieren, ist eine wirkliche Erziehung, zum palästinensischen Staatsbürger schlechterdings nicht denkbar. Nur aus diesem Widerspruch heraus ist die Bereitwilligkeit zu verstehen, mit der stipuliert wird, daß „die Verbindung als spezifische Standesorganisation Individuen umfaßt, die in der heutigen Wirtschaft Palästinas in überwiegender Mehrzahl keinen Platz finden" und daher ihre direkten Aufgaben in der Galuth zu suchen haben. Wir wissen zwar nicht, wieviele von uns es erleben werden, sich in Erez Israel niederlassen zu können, Soll aber unser Zionismus nicht sehr bald zu einem pathetischen Lippenbekenntnis erstarren, so muß unsere Erziehung darauf gerichtet sein, in jedem Bbr. die subjektive Bereitschaft und die objektive Qualifikation zur Uebersiedlung nach Palästina bei der ersten sich bietenden Gelegenheit bis zum Höchstmaß zu steigern. Sich auf Wirken im Galuth einzustellen, ist der denkbar ungeeignetste Anfang für eine solche Erziehung. Mit der Couleur als Suggestionsmittel zur Hebung de® geistigen Niveaus und zur Entfesselung zionistischer Energien ist es auch nicht weit her. Von einem „Schwinden der Couleursuggestion' mit zunehmender Entwicklung 9

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