Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1931-02-01 · Heft 2 (Februar 1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 2 (Februar 1931)
Date
1931-02-01
Page
[Seite] (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3537599-3537820-3537822--7868-3545917
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Ideologie oder Apologie Die folgenden Ausführungen sind eine Erwiderung aui den Artikel von Israel Stein (V.J.St, Jordania Basel) „Zur Ideologie der zionistischen Korporation" im Oktoberheft des J.St. Sie decken sich mit dem Standpunkt des Hechawer Riga, Die Redaktion. „Der Charakter sehr vieler zionistisch-akademischer Gruppen steht in einem merkwürdigen Kontrast zu den Tendenzen Palästinas. Für zionistische Studenten sollte Couleurwesen und Satisfaktion eine überwundene Sache sein. Man muß an Max Webers treffliches Wort von den „lackierten Plebejern" erinnern, das nicht nur auf deutsches Studentenwesen zutrifft? . , , In Palästina dürfen und werden standesbewußte, gewöhnlich kleingeistige Akademiker keinen Platz haben. Hier gilt es einen neuen Typ zu schaffen, der sich einreiht in die aufbauenden Kräfte des Landes und durch seine Persönlichkeit geeignet ist, jenes für Europa so verderblich gewordene System der Separierung zu überwinden. Das K.J.V. muß es als eine seiner Hauptaufgaben ansehen, durch eigene Leistung hier richtunggebend zu wirken. Neben dem dauernden Bemühen, geeignete Menschen für die Zionisierung der geistig-jüdischen Welt zu stellen, muß der Versuch treten, einen dem besonderen Charakter des Landes entsprechenden Typ zu schaffen, der, gleichgültig, ob als Kopf- oder Handarbeiter, bereit und imstande ist, sich der Gesamtheit schaffender Menschen einzureihen." Also sprach 1925 auf dem Dresdener Karlelltage der damalige Kartellpräside. Anno 1930 hält man es in einer zionistischen Verbindung in Basel für — ein erstrebenswertes Ziel, junge Menschen zu einem kadavergehorsamen „militärähnlich organisierten Werkzeug" *} heranzüchten. „Couleur als Suggestionsmittel" zur Erzielung erzieherischer Wirkungen auf „allzumenschliche" Naturen und als Wegbereiter für „rein ideelle Momente" — das ist für uns im K.J.V., und besonders in Riga, wo diese Eierschalen der Entwicklung erst unlängst abgestreift worden sind, kein neues Lied. Man lese bloß nachstehende historische Darstellung aus einem in der Sammelschrift des „Hechaver" veröffentlichten — übrigens auch für Basel sehr lesenswerten — Aufsätze über „Das Erziehungswerk des K.J.V." von Bbr. Julius< Levinsohn: „Man hielt (im farbentragenden Vorkriegs-K.J.V.) im Grunde nicht viel von den studentischen Förmlichkeiten, die man der Umwelt entnahm . , . Aber man suchte au© der Not eine Tugend zu machen, indem man Kneipe, Fechtkomment und da® Uebrige in ethisierender Weise aus dem beschaulichen Dasein eines Dinges an sich herauslöste und einem bestimmten Ziel zu dienen bestimmte, der Unterwerfung des Einzelnen unter das Gesetz der Gemeinschaft." *) Alle nicht näher bezeichneten Zitate in Anführungsstrichen sind dem Steinschen Artikel entnommen. 3

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.