Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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oder vom Jordan ist technisch möglich, dürfte aber vom rein kapitalistischen Standpunkte nicht attraktiv sein, weil vermutlich die Verzinsung der aufzuwendenden Kapitalien nicht reizvoll genug ist. Sagen wir einmal: es sind nicht mehr als zwei Prozent herauszuwirtschaften, und die Bosses des Herrn Mohl verlangen vier» Hier eröffnen sich die gewaltigen Möglichkeiten des nationalen Kapitals, das zwar eine rationelle Anlage verlangt, aber in bezug auf die Höhe der Verzinsung großmütiger sein kann als die Männer von der New Yorker Börse. Es gab bei uns einen, der das alles ganz gut verstanden hat und dessen verstaubte Bilder in allen Bureaus hängen, der aber leider so in Mißkredit geraten ist, daß seine Nachfolger bei ihrer ungeheuer anstrengenden politischen und sonstigen Arbeit sogar vergessen haben, sein Buch „Altneuland" in die englische Sprache übersetzen zu lassen und damit z. B, erreicht haben, daß die Mehrzahl der englischen Beamten in Palästina kaum mehr als seinen Namen kennt. Wenn es so weiter geht, wird es bei der Mehrzahl der Zionisten auch bald so weit sein, und wir werden über Parteigezank und Intrigen auch bald vergessen, daß wir eigentlich noch eine ganze Menge schöner Dinge in Palästina verrichten könnten. Wenn eine pikante Nachricht stimmt, daß nämlich Lord Passfield der jüdischen Arbeiterpartei Palästinas übel nimmt, daß sie chauvinistisch ist, so ließe sich schon ein Weg finden, wie man die Sympathien dieses Mannes ohne Opfer an Intellekt oder Moral gewinnt. Allerdings müßte man sich entschließen, weniger wichtige Dinge und Personen über Bord zu werfen. Sabbaiai Zewi und der Messianismus Eine Buchbesprechung von Georg Herlitz (V.J.St. Berlin A.H.). Die literarisch-historische Biographie steht zur Zeit im Bereiche der deutschsprachigen Literatur hoch im Kurse. Seitdem Emil Ludwig in Meisterwerken das Leben der Großen des 19. Jahrhunderts darzustellen begonnen und mit diesen Darstellungen das Interesse eine® gewaltig geweiteten Kreises von Gebildeten für die Deutung einer Zeit durch das Leben einer sie gestaltenden oder für sie charakteristischen Persönlichkeit zu erwecken, erfolgreich unternommen hat, wächst die Zahl der Werke, die im Gewände der literarischen Biographie diesem historischen Erziehungszwecke dienen, von Jahr zu Jahr. Napoleon, Goethe, Beethoven, Bismarck, Disraeli, Jud Süß — soll ich die Reihe der im letzten Jahrzehnt biographisch behandelten Persönlichkeiten hier noch verlängern? Ihr kennt sie alle; die Persönlichkeiten, auf deren Leben erst die Form der literarischen Biographie die Aufmerksamkeit der großen Welt der Gebildeten gelenkt hat; und ihre Biographen: die Ludwig, Stefan Zweig, Maurois, Rolland, Feuchtwanger. Es wäre merkwürdig gewesen, wenn sich die literarisch-biographische Kunst nicht auch die großen Persönlichkeiten jüdischen Stammes zum Objekt der Gestaltung ausgewählt, wenn sie an den großen jüdischen Menschen, die 34