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Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 33)
Language
German
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geblich auf Ansiedlung warten. Ich erinnere in diesem Zusammenhange an euren Plan einer deutschen „Kwutzah". Nun ist die Lage der arabischen Bauern schlecht, viel schlechter als die der jüdischen, trotz der bekannten Bedürfnislosigkeit des Fellachen; aber nicht die jüdische Einwanderung ist daran schuld, sondern eine große Anzahl von ihr unbeeinflußter Ursachen, und diese zu beheben ist weder unsere Pflicht, noch steht es in unserer Macht. Die Verschuldung der Bauern ist groß, der Zinsfuß meist abnorm, ihre Arbeitsmethoden rückständig. Der Weizen steht auf dem Weltmarkt erschreckend niedrig, und vieles mehr. Aber Tatsache ist, daß die jüdische Einwanderung einer Reihe von arabischen Bauernfamilien die ländliche Existenzgrundlage weggenommen hat, und diese Tatsache ist weder ein Verbrechen, das wir aus der Welt lügen müssen; noch nimmt es uns die Mandatsregierung übel, siehe wieder das obenerwähnte Zitat über die Pica. Die Sache muß aber auch aus einem anderen Grunde in Ordnung kommen. Weder arabische Fellachen, noch Effendis können ihren gegenwärtigen Landbesitz behaupten, ohne ökonomisch zugrunde zu gehen. Keine Finanzmacht der Welt wird oder kann diesen untrainierten Menschen das Kapital zur Verfügung stellen, um ihre Böden aus dem jetzigen rohen Zustande in den erforderlichen Kulturzustand zu bringen. Wir sehen dies am besten an unserer eigenen Schwäche. Außerdem: warum soll nicht auf dem Wege friedlicher Verständigung der Prozeß auf dem Wege der Umsiedlung vor sich gehen? Oft genug ist darüber geredet worden, und vielversprechende Anfänge sind gemacht worden. Wenden wir uns also, nach dieser „aktuellen" Betrachtung, dem eigentlichen Bodenproblem zu, so entsteht zunächst die Frage, ob wir uns in Palästina mit bewässerten oder unbewässerten Kulturen beschäftigen sollen. Hierbei ist natürlich die Einschränkung zu machen, daß nicht alle Böden Palästinas bewässerbar sind, und daß auch nicht alle bewässerbaren Böden käuflich sind. Unter diesen Einschränkungen will ich den Nachweis führen, daß wir mit viel größerer Anstrengung als bisher und mit viel mehr Systematik unsere Hauptarbeit auf die Erwerbung und Entwicklung bewässerbarer Böden legen müssen. Schon vom rein ökonomischen Standpunkt, Als Existenzgrundlage einer Fellachenfamilie gilt etwa eine Fläche von 100 Dunam. Simpson fordert 130 Dunam. Für die Erwerbung solcher Böden haben wir durchschnittlich 4—6 Pfund gezahlt, so daß also der rohe Boden ohne jede landwirtschaftliche oder hygienische Verbesserung etwa 400—600 Pfund gekostet hat. Außerdem handelt es sich hierbei um eine äußerst problematische Existenzbasis. Dagegen gelten zwanzig Dunam bewässerten Bodens nach Ansicht aller Fachleute in Palästina, selbst wenn es sich nicht oder nicht ausschließlich um Orangen handelt, als Existenzbasis einer Familie, sogar mit europäischen Kultuiansprächen. Solche zwanzig Dunam aber kosten nach meinen Erfahrungen im Lande einschließlich Sanierung, Wasserleitung und Straßenbau, also hygienisch und landwirtschaftlich saniert und völlig er- 32

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