Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Das landwirtschaftliche Bodenproblem in Palästina Von Josef L o c w y , Haifa. Der Simpson-Bericht und das Weißbuch der Labour-Regierung haben wieder einmal große Aufregung in der Judenheit hervorgerufen. Wer aber englische Mentalität und englische Verhandlungsmethoden einigermaßen kennt, wird verstehen, daß beide Schriftstücke die Einleitung realpolitischer Verhandlungen zur Behebung tatsächlich vorhandener Schwierigkeiten darstellen, und daß unsere Position keineswegs so hoffnungslos ist, wie sie von verschiedenen Seiten dargestellt wird. Abgesehen von der Parlamentsfrage, auf die ich hier nicht eingehen will, weil die Regierung hier den Arabern so gut wie keine Konzessionen macht, gibt es drei wesentliche Punkte, um die wir kämpfen müssen, und zwar: a) Sicherheit für Leben und Eigentum, b) Landerwerb und c) Einwanderung. Ich werde im Zusammenhang mit meinem Thema nur auf den zweiten Punkt näher eingehen, aber die beiden anderen Punkte wenigstens streifen. Sicherheit für Leben und Eigentum ist in hohem Grade wiederhergestellt und, was auf diesem Gebiete noch zu fordern übrig bleibt — und es bleibt noch manches zu fordern, — steht kaum im Gegensatz zu den Interessen der Mandatarmacht. Einwanderung ist auch jetzt nur für mittellose Elemente gesperrt, auch diese, wie ausdrücklich betont wird, nur vorübergehend bis zur Schaffung brauchbarer Normen, und diese liegen mindestens ebensosehr im Interesse der jüdischen Siedlung wie im Interesse der Mandatarmacht, und es ist sehr kurzsichtig und unsere wahren Interessen außerordentlich schädigend, wenn man nicht zugibt, daß gerade auf diesem Gebiete schwere Mißbräuche von Seiten jüdischer Institutionen vorgekommen sind. Das gleiche gilt bei Behandlung der Landfrage, wobei ich gar nicht leugnen will, daß andere Völker, wie z. B. die Polen, sich anscheinend viel schwerere Mißgriffe erlauben, aber das darf für uns kein Maßstab sein. Das einzige „böse" Wort des Weißbuchs, nämlich „fallacious", etwa gleichbedeutend mit „irreführend" bezieht sich offenbar auf Beschönigungsversuche jüdischerseits zur Zeit der Shaw-Kommission, und die Herren, an deren Adresse es gerichtet ist, mögen es sich einstecken. Daß man trotz aller Oberflächlichkeiten hier Unterschiede zu machen versteht, beweist das Lob, das die Pica auf derselben Seite, oben, abbekommt. Ich gebe also auch hier nicht die Hoffnung auf, daß, eine verständige und weitsichtige Politik auf unserer Seite vorausgesetzt, auch diese gewiß schwierige Frage ohne Schädigung unserer Interessen gelöst werden kann. Zunächst hat das Weißbuch recht, daß wir Juden eine genügende Bodenreserve besitzen, so daß in naher Zukunft, d. h. in der Zeit, in der diese Frage zur Behandlung stehen wird, keine Gefahr für das Fortschreiten der jüdischen Kolonisation besteht. Es gibt genug Reserveboden, und wir sollen mal erst die Leute ansiedeln, die seit mehr als fünf Jahren ver- 31