Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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Und darum treffen die Abschließung Palästinas, die Schlag auf Schlag folgenden politischen Niederlagen die polnischen Juden mit einer unerhörten Härte. VIIL Die alten Juden — ein langes, schweres Leben liegt hinter ihnen. Keine Grausamkeit, die nicht an ihnen verübt, kein Unrecht, das nicht an ihnen begangen wurde. Böse Kriegserinnerungen, Mißtrauen gegen Staaten und Gesetze. Aber erfüllt und aufrecht gehalten von Hoffnung auf die Erlösung. „Das Volk Israel lebt; jagt man hier uns weg, finden wir wo anders eine neue Stätte." — „Gott verläßt nicht sein heiliges Volk." Immer bereit, zum Wanderstab zu greifen, um in der Fremde eine neue, bescheidene Existenzmöglichkeit zu suchen. Stets gefaßt auf neue Zores, aber nie aufgebend, nie verzweifelnd. Sie wissen um alles in der Welt; aber der Haß der Völker, das niederträchtige Ausbeutungssystem von Völkern oder Klassen, gegeneinander in Wirtschaft und Politik — wie hoch stehen sie über all dem! „Ich beneide nicht die Reichen; um glücklich zu sein, braucht man kein Geld, nur Jüdischkeit." Solches Denken in solchem Milieu. . . . IX. Und die Jugend — die wunderbarste Jugend, die es gibt. Unauslöschliches Bild: Die kleinen Chassidimkinder, schon in gedrehten Pejes und Miniaturtracht, mit träumerischen Augen, in denen — keine Phrase hier — Leid der Jahrhunderte liegt, früh an Not und Entbehrung gewöhnt, in strenger Zucht erwachsen, ferngehalten vom Wissen um die Welt — der „Apikorsuet", und doch neugierig, wissensdurstig, hungrig nach dem unbekannten Reichtum des irdischen Lebens verlangend, jeden Fremden belagernd, erwartungsvoll, erlebnisbereit. Kinder im Ghetto, trotz der Armut von ergreifender Schönheit. Krone der Jugendbewegung: Der Schomer hazair. Der Zionismus ist bei ihnen eine Lebensnotwendigkeit. In seinem Dienste erwachen die künstlerischen Fähigkeiten dieser Jugend, der Trieb zur Natur, die Einordnung in produktive Berufe. Kein Abend-Zionismus, sondern vom Morgen bis Abend, bei der Arbeit und iin Spiele, in Kleidung und Sitte, in Benehmen und Charakter, in wissenschaftlicher und literarischer Betätigung, sogar noch beim Kriegsdienst im polnischen Heere (Vorbereitung für die Haganah!) ist Maßstab und Ideal: Würdig zu sein des „arbeitenden Palästina". X. Bei einem jüdischen Historiker: „Ich weiß es — und Sie werden es zugeben — der Westjude verachtet uns. Wir erwidern ihm nicht mit gleicher Münze. Aber wenn Sie nach Deutschland zurückkehren, sagen Sie unsern Brüdern die Wahrheit." Wer in Polen war, empfindet von selbst die heilige Pflicht, den andern mitzuteilen. Kein Vortrag, kein Aufsatz kann das wunderbare Bild klar machen, das sich dem „Forschungsreisenden" bietet. Liebe Bundesbrüder, fahrt hin und seht! Dort erfahrt ihr — und vergeßt es nie, — was Judennot ist, und wozu wir Zionisten sind. 30