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Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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über ihre Zionsliebe, die den Zionismus verwirft, weil er ohne Käppchen geht, dafür aber an den Meschiach auf dem weißen Esel glaubt. Wir hörten die Klagen des alten Mannes über das junge Geschlecht, das von der Tradition weg zum Kommunismus läuft. Wir führten Gespräche mit einem sympathischen jungen Menschen, der ganz durch seine religiösen Tabus gefesselt, aber belesen und intelligent, an Westeuropa sich zu orientieren versucht, indem er sich die Herren von der Aguda zu Meistern wählt. Eine neue Parole der jungen Chassidim lautet: Thorah we - deresch - erez Frankfurt a. M. nach Osten getragen, Herr Jakob Rosenhein zum leuchtenden Beispiel in G. gemacht. Es brachte ein Chossic die Rasierpaste des Herrn Rabbiner Breuer hierher. Falls es jemanden in Warschau interessieren sollte*. Bezugsquelle beim Gorerer Rebben. Der koschere Schlüsselbund als Hosenträgerteil folgt. Ueberschrift: Moderne Frömmigkeit. Wir sprachen und besuchten noch andere. Morgens lud uns ein Parneß zum Kiddusch ein; der Mann reist in Europa herum und sammelt Geld für die Jeschiwah überall, wo der Gorer Rebbe einen Anhang hat. (In Berlin gibt es übrigens ein „Gorer Stiebl" — geht dorthin, vielleicht findet Ihr gerade einen frisch importierten Ableger aus Polen mit seinem Kaftan, seinen Pejes, dem extatischen Blick und weltfremden Gesicht.) — Unser Parneß war ein hohes Tier, was ihn aber nicht hinderte, sein Stückchen Hering mit meiner benutzten Gabel zu nehmen, um es dann mit den Fingern einer sezierenden Prozedur zu unterwerfen. Zum Hering gab es übrigens süßen Kuchen. Zum Tee lud uns ein Jeschiwohbocher von der Straße weg ein und empfing uns in einer netten, hellen, sauberen Wohnung. Die Hausfrau wartete uns auf mit einer wundervollen Würde und Freundlichkeit, die diese jüdischen Frauen manchmal an sich haben. Nur die beiden Söhne, die an der Jeschiwah sind, saßen bei Tisch, der eine eine Leuchte der Jeschiwah; legt all seine Kraft in das Talmudstudium, widmet ihm seine ganze Zeit, lernt keinen Beruf. — Wozu auch? Wenn er heiratet, wird es seinem Schwiegervater eine Ehre .bedeuten, den gelehrten Schwiegersohn zu ernähren, ihm „Kost" zu geben. Beim Abschied reichen wir nur den Männern die Hände. Und den Frauen? Wisse, Uneingeweihter, daß eine fromme Frau in Israel keinem Mann die Hand reicht. Wohl aus demselben frommen Grunde saßen die beiden Frauen, die im Zimmer waren, nicht an dem Tisch. Noch andere Leute sahen wir in der Residenz des Rabbi. Leute wie unseren Wirt, der nicht recht verstehen konnte, daß die Juden in Berlin ohne Kaftan herumlaufen, junge Leute, die neugierig nach dem Leben im merkwürdigen Westen fragten, und andere, die an allem äußeren Geschehen desinteressiert, nur in ihrem beschränkten, uns unerträglich scheinenden, Lebenskreis wurzelten, ihr Leben durch den Talmud regierend, ihre Freuden aus den Liedern der „Schalosch-S'udoth" schöpfend (die wir in des Rebben Abwesenheit hier nicht mitmachen konnten), ihre Lust am Fabulieren aus den herrlichen „Moschelech" stillend, ihren Geist am Pilpul wetzend. Wie aber wird das nächste Geschlecht? * 26

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