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Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 25)
Language
German
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ander. Als ich aber einen sonst vernünftigen jungen Gorer Chossid fragte, weshalb denn der Krieg geführt werde, gab er an: es war schon so zwischen den Vätern des Gorer und des Alexandrower, einen anderen Grund gäbe es nicht. Als ein großer Rabbi vor einigen Jahren irgendwo in Ostpolen eine Hochzeit im Hause feierte, sandte der Präsident der Republik, der Ministerpräsident und wer noch dazu gehörte, Glückwunschtelegramme; Fürsten und Schlachzizen kamen als Gäste, das Volk strömte herbei, und tagelang wurden sie bewirtet; teuerster Schmuck aber prangte um die Hälse der Töchter Zions. Einer der größten ist der Gorer Rebbe, der Führer der Weltaguda, reich und angesehen, insbesondere bei der Regierung, der die Aguda, ihres Desinteressements an weltlichen Dingen wegen, weit lieber ist als die eigenwilligen, viel fordernden, programmbeherrschten Zionisten. Doch lassen wir die heutige Politik, jetzt, da wir ein Stück Mittelalter in uns aufnehmen wollen. Wir sind endlich in Gora. Es ist dunkel, wohl längst Schabbath, »es gießt, die aufgeweichte Straße besteht aus Kot, und was das schlimmste ist: wir erfahren, daß der Rebbe in Marienbad weilt. Wir wollen trotzdem ein Blick auf sein „Besmedresch" werfen. Ein Weg durch Pfützen und über holperige Katzenköpfe, ein Tor, noch ein Tor, ein großer Hof, und vor uns steht das Haus wie ein großer Kasten, schwarz in der Nacht mit einer Reihe erleuchteter Fenster. Wir wagen uns kaum heran, schauen aber doch durch die Scheiben. Drinnen ein seltsames Bild: der Ausschnitt einer etwa 12 m tiefen Halle. An Tischen, die rings um die Wände laufen, junge und alte Männergestalten lernend, im Raum Gruppen von sich unterhaltenden Betenden. Dazwischen eine Unmenge Kinder. Man starrt wie verzaubert auf diese unglaublich ausdrucksreichen Propheten- und Tannaimgesichter mit den herrlichen Bärten, auf die hohen tiefgefurchten Denkerstirnen, in denen eine Schönheit liegt, die unbeschreiblich ist. Während wir noch verwirrt und unentschlossen die Nasen an die Scheiben drücken, winkt uns von innen ein junger Mann zu, mit einem feinen schmalen Asketengesicht. Ein kurzes Zögern, dann sind wir drin, und . . . nun gehts los. Eine Bande Kinder bestürmt uns, junge Männer umstellen uns, Weißbärte fragen uns aus. Das tollste sind die Kinder. Fast so exotisch aussehend wie Araberkinder, mit Schläfenlocken, die bis zum Hals reichen, entweder hinters Ohr geschlagen sind oder mit Sorgfalt in pechschwarzen Korkenziehern gedreht, herunterbaumeln, oder aber als braune und blonde Haarlocken bei jedem Beugen des Kopfes eine weiche raphaelitische Umrahmung des Gesichtes bilden. Nie im Leben sah ich eine solche Fülle eindrucksvoller Gesichtszüge. Wunderbar schön die aristokratischen schwarzen Kinderköpfe mit großen schwarzen beseelten Augen. Merkwürdigerweise sind die Gesichter der Burschen viel weniger ausdrucksvoll, die Augen oft matt, die Konturen gröber und die Haut spröder. Die Männergesichter: schwarzes, braunes, vielfach rotes Haar. Energische, scharfe, semitische Köpfe, aber auch gröbere, abstoßende Ghettotypen. Selbstbewußte „Balbottim" und ge- 24

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