Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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positiven Lösung dieser schwierigen Frage getan hat, so hat er doch wiederholt versucht, wenigstens durch beruhigende Erklärungen ihre Schärfe zu mildern. Der Revisionismus dagegen hat sie nicht nur bagatellisiert, sondern durch die Propaganda einer jüdischen Legion, durch die Soldatenspielerei seiner Jugendbünde in Palästina und durch die chauvinistischen Töne seiner Presse noch verschärft* Die schweren Fehler der Weizmannschen Aera sind nicht zu leugnen, wenn sie auch nicht da liegen, wo sie jetzt in bequemer Benutzung der politischen Katastrophe von seinen Gegnern behauptet werden. Jedenfalls aber ist es unwürdig, eines politisch denkenden Volkes unwürdig, jetzt alles, alles Unheil und alle Schuld dem einen Manne anzuhängen, und nicht nur unwürdig, sondern auch unklug. Denn jeder Nachfolger wird, wie er, sich den politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten anpassen müssen, und schwere Enttäuschungen werden nicht ausbleiben können, wenn, durch Verkennung der wahren Ursachen unserer Mißerfolge, neue Mißerfolge eintreten werden. Die antike Methode, als Sühneopfer für das Volk einen Bock zum Asasel in die Wüste zu schicken, ist doch wohl nicht mehr ganz zeitgemäß. Was also ist zu tun? Weizmann soll gehen? Gut. Auch wir sind der Meinung, daß ein Staatsmann, dessen Regierung von einem solchen Mißerfolg getroffen ist — ob mit oder ohne eigene Schuld — gehen soll. Was weiter? Danziger ist der Meinung, daß Besserung nur eintreten könnte, „wenn die Judenheit der Welt systematisch zur Feindschaft gegen England aufgerufen und in ihr verharren würde". Hört, hört! Das wird den Revisionisten bös in den Ohren klingen, die vom „Kolonisationsregime" und vom „Bund mit England" träumen. Es ist aber überhaupt keine politische Maxime, sondern Uebertragung der Gefühle, die ein Privatmann im persönlichen Leben sich gestatten mag, auf die politische Welt und darum unverantwortliches Gerede. Unsere „starken" Politiker mögen sich klarmachen, daß England sein Palästina-Mandat nicht aufgeben wird, solange sein Imperium nicht zerschmettert am Boden liegt. Mit Feindschaft macht man keine Politik. — Das hindert natürlich nicht, daß wir das Weißbuch bekämpfen, auch die Beamtenschaft, die es geschrieben hat, und den Legislative Council, den man uns aufzwingen will. Danziger hat noch ein zweites Heilmittel für den Zionismus, die „einfache, klare Idee": Judennot — Judenland. Einfach ist die Idee, aber nicht klar. Ich fürchte, Danziger weiß nicht, daß die Juden in den Ländern der Judennot allein durch natürlichen Zuwachs sich jährlich um 120—150 000 Seelen vermehren. Daß wir auch bei freiester und stärkster Arbeit nicht einmal diesen Ueberschuß jährlich in Palästina unterbringen können, wird er wohl zugeben. Wir wollen also lieber nicht in den überwundenen Standpunkt der Ugandazeit zurückfallen und keine Versprechungen machen, die wir nicht halten können. Es gibt nur zwei Mittel, die unsere Stellung allmählich verbessern können, und beide hat Weizmann stets mit größtem Nachdruck betont. Das eine ist die Stärkung der zionistischen Bewegung in der Weltjudenheit, das 21