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Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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die deutliche antijüdische Einstellung der englischen Beamten versteifte den Widerstand der Araber und ermutigte sie endlich sogar zum Angriff auf das jüdische Siedlungswerk. Was ist die Ursache der feindlichen Einstellung Englands gegen uns, die, beim Ministerpräsidenten beginnend, über das Colonial Office in London bis fast zum letzten Beamten in Palästina geht? Daß an alledem Weizmann schuld hat, mag man Kindern erzählen. Die Gründe sind sehr komplizierter Art; wir denken nicht daran, sie zu entschuldigen, aber wir müssen versuchen, sie zu kennen und sie zu begreifen. Die Gründe, die genau zu analysieren hier viel zu weit führen würde, sind vielfältig. Sie liegen zum Teil auf politischem Gebiet (Englands Schwierigkeiten in seinem Imperium und seine Rücksicht auf den Islam), zum Teil auf wirtschaftspolitischem Gebiet (unsere Leistungen waren nicht groß genug, um jeden Widerstand zu entwaffnen), zum Teil auch auf psychologischem Gebiet (der Jude läßt sich vom Kolonialbeamten nicht als „native" behandeln, sondern verlangt als „Gentleman" behandelt zu werden). So klar auch das Ergebnis ist, daß nämlich England uns nicht freundlich gesinnt ist, so ist es doch gar zu billig, sich bei der Erklärung zu beruhigen, daß nun einmal die englische Politik perfide, die Engländer Schufte oder Idioten sind (wie es Danziger tut). Aber angesichts der englischen Feindseligkeit begeht der Revisionismus — und mit ihm als gehorsamer Gläubiger der Theorie auch Lichtheim — seine ärgste Inkonsequenz: Von diesem selben England, dessen Vorgehen er so scharf bekämpft, erwartet, ja verlangt er ein „Schutz- und Kolonisationsregime" zur Entwicklung des Jüdischen Nationalheims! Wenn jemand durch die Ereignisse von den August-Unruhen bis zum Weißbuch eine Niederlage erlitten hat, so ist es der Revisionismus. Er ist der eigentlich Geschlagene. Seine Forderungen, schon vorher chimärisch, sind heute unbegreifbar. Gott bewahre uns vor einem „Schutz- und Kolonisationsregime" dieses Englands (und dabei gibt Lichtheim die niederschmetternde Erklärung ab, daß das „die wichtigsten Voraussetzungen des Palästinaaufbaues" sind!)! Was Schutz durch England heißt, haben wir 1929 erfahren; was an kolonialer Aktivität von der Mandatsregierung zu erwarten ist, lehren die ersten Andeutungen, die wir davon im Weißbuch erhalten: Aktivität zugunsten der Araber. Ueber das zweite große Problem, das unseren Palästina-Aufbau hindert, die Araberfrage, schweigen sich Lichtheim und Danziger klüglich völlig aus. Bei Lichtheim ist das begreiflich: denn in dieser Frage ist der Revisionismus vollkommen steril. Danziger aber als Palästinenser muß wissen, daß dieses Problem an Bedeutung noch vor der englischen Politik rangiert. Das Araberproblem aber ist die Hauptursache unserer Schwierigkeiten mit England. Daß wir uns auf diesen Fragenkomplex verspätet und falsch eingestellt haben, ist zum größten Teil schuld an den Mißerfolgen des Zionismus in den letzten Jahren. Auch Weizmann hat seinen Teil an dieser Schuld, aber nicht etwa nur er, sondern in noch stärkerem Maße seine Opposition. Wenn auch Weizmann nicht viel zur 20

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