Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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gewesen ist, läßt sich kaum wiederholen; es ist höchst unwahrscheinlich,, daß die Liberalen ein zweites Mal viele tausende innerlich uninteressierter Menschen an die Wahlurne bringen können. Dagegen kann die Jüdische Volkspartei eine Anhängerzahl von 26 000 Wählern verzeichnen; die sie, trotz der palästinensischen Ereignisse, in einem unerhört schweren Wahlkampfe errungen hat; damit hat sie das Maximum an Stimmen erreicht, die eine von Zionisten geführte Gruppe bei der jetzigen Zusammensetzung der Berliner Judenschaft legitimerweise beanspruchen darf; arbeitet die Volkspartei in der Gemeinde so, daß sie die Erwartungen ihrer Wähler und der Zionisten, die im Wahlkampf geführt haben, erfüllt, so darf sie hoffen, daß die nächsten Wahlen auf der Basis eines sicheren Besitzstandes von 26 000 Stimmen weiteren beträchtlichen Stimmenzuwachs bringen. Das Ergebnis dieses Wahlkampfes ist kein Sieg der Jüdischen Volkspartei, wenn man die numerische Zusammensetzung der neuen Repräsentantenversammlung als Maßstab nimmt. Aber noch weniger ist das Wahlergebnis als Niederlage der Volkspartei zu betrachten im Hinblick auf die Position der Volkspartei innerhalb der Jüdischen Gemeinde, wie sie durch Verlauf und Ausgang der Wahlen gekennzeichnet wird. Und die zionistische Idee hat in diesen Wahlen ganz gewiß einen bedeutenden Sieg errungen. Die Lage des Zionismus Eine Antwort an Lichtheim und Danziger. Von Elias Auerbach. Das größte Uebel im Zionismus ist heute, daß innerhalb der zahlreichen Gruppen und Grüppchen, die wir haben, niemand mehr imstande ist, über seine fest im Kreise laufende Ideologie hinauszusehen. Zum Verständnis aller Ereignisse gibt es einen höchst einfachen Schlüssel: „Wir haben es schon immer gesagt." So einfach ist aber die Welt leider nicht. Lichtheim verwahrt sich — mit Recht! — gegen die Beschuldigung, der Revisionismus sei schuld an den Unruhen in Palästina. Aber er merkt nicht» daß er in dieselbe Kerbe schlägt, indem er behauptet: Weizmanns Politik ist schuld. (Alle Oppositionsgruppen haben jetzt eine sehr bequeme Formel: Weizmann muß fort; dann kann alles gut werden.) Dem gegenüber bedarf es einer sehr ernsten Untersuchung, ob irgendeine zionistische Politik im letzten Jahrzehnt imstande gewesen wäre, die Entwicklung der Dinge in Palästina vor dem Rückschlag zu bewahren, der in den letzten 134 Jahren eingetreten ist. Zwei Faktoren sind es hauptsächlich, die zu der jetzigen kritischen Lage geführt haben, und beide werden von Lichtheim und Danziger zugestanden und betont: Die immer deutlichere unfreundliche Einstellung der englischen Verwaltung in Palästina gegen das jüdische Kolonisationswerk und die immer wirksamer versteifte Gegnerschaft der Araber. Beide stehen in starker Wechselwirkung auch untereinander. Der immer stärkere Widerstand der Araber veranlaßte die Engländer, von den Juden abzurücken; und 19