Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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uns ihre Stimme gegeben haben, von denen die Mehrzahl zum mindeste» nicht organisierte Zionisten sind. Für die Vermehrung der liberalen Stimmen ist entscheidend gewesen,, daß es den Liberalen gelungen ist, tausende von Wählern, die an sich ohne jedes Interesse für jüdische Gemeindeangelegenheiten und für jüdische Dinge überhaupt sind, zur Wahlurne zu schleppen und auf diese Weise die kleinen Parteien nahezu zu zertrümmern. Sie haben ihre Stimmenzahl um ca. 80 Prozent gegen 1926 gesteigert, während sich die Wahlbeteiligung im Durchschnitt nur um 50 Prozent erhöht hat. Wenn die Volkspartei ihre Wählerzahl zwar nicht um 80 Prozent, aber um rund 58 Prozent (also ebenfalls über den Durchschnitt hinaus) erhöht hat, so hat sie diesen Stimmenzuwachs im wesentlichen nur dadurch erreichen können, daß sie fast 10 000 Menschen, die bei den Wahlen von 1926 noch andere Anschauungen hatten, durch die Arbeit der letzten Jahre und durch die Darlegungen in der Wahlkampfzeit für die Auffassungen der Volkspartei gewonnen hat. Das Problem der Liberalen (dessen Lösung ihnen glänzend geglückt ist) bestand vor allem darin, zu schleppen; unser Problem war, zu überzeugen. Die Tatsache, daß eine so große Zahl von Menschen unseren Darlegungen und Ankündigungen geglaubt hat und gefolgt ist, legt uns eine Verpflichtung auf, die niemand von uns leicht nehmen soll und wird. Es gibt Zionisten, die der Meinung sind, daß wir um unserer entscheidenden Aufgaben willen in der sogenannten Gegenwartsarbeit völlige Abstinenz üben müssen; das ist eine ernste, zionistisch diskutable Auffassung. Aber auch der palästinozentrische Zionist wird, wenn er sich zur Mitarbeit an gesamtjüdischen Aufgaben entschließt, es als unmoralisch betrachten, diese Aufgaben etwa nur insoweit zu erfüllen, als er dadurch die spezifisch zionistischen . Interessen fördert, etwa jede Frage der Gemeindearbeit nur unter zionistischem Gesichtswinkel zu sehen. Vielmehr folgt für uns aus dem Vertrauensverhältnis zu 26 000 Wählern die Verpflichtung, mit allen Kräften an einer Verwirklichung unseres umfassenden gesamtjüdischen Gemeindeprogramms in allen seinen Teilen zu arbeiten. III. Die Liberalen haben einen Sieg errungen, den wir nicht verkleinern wollen; ihnen ist die absolute Majorität in der neuen Gemeindeverwaltung zugefallen. Aber dieser liberale Sieg bedeutet keine Niederlage der Volkspartei, da ihre Wirkungsmöglichkeiten zwar in wichtigen Punkten verringert, bei Anlegung eines anderen mehr prinzipiellen Maßstabes aber durch die jetzige Zusammensetzung der Repräsentantenversammlung eher vergrößert worden sind. Betrachtet man das Wahlergebnis im Hinblick auf eine fernere Zukunft und auch nur im Hinblick auf die nächsten Gemeindewahlen, so erscheint auch der liberale Sieg recht fragwürdig: Die Masse der 42 000 liberalen Stimmen ist ein Koloß auf tönernen Füßen; eine Kraftanstrengung, wie sie diesmal — nach den Reichstagswahlen vom September 1930 — möglich 18