Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Ertrag eines Hektars Land kostet; der Kleinbauer mit etwa 40 ha, wenn ihm eine Pflugschar bricht, in diesem Jahr für sich und seine Familie keinen Stoff für Kleidungsstücke mehr kaufen kann — wer ist an alledem schuld, wenn nicht der Jude? Die Agrarkrise, in Rumänien größer als in irgendeinem anderen Lande Europas, ist nach dem ganzen Weltbild, das der rumänische Bauer haben muß, Schuld der Juden. Und als im vergangenen Sommer die Getreidepreise immer tiefer sanken, als der Bauer jedesmal, wenn er sein Getreide verkaufte, weniger Geld bekam, mußte sich das in antisemitischen Ausschreitungen auswirken, auch ohne Agitation. Ueber der großen Schicht der Dorf- und Kleinstadtjuden gibt es die assimilierten Juden der Großstädte, so assimiliert, wie man es nur sein kann. Assimilierter als ein Großteil der deutschen Juden, mit dem Willen der Assimilation. Die großen Banken, die sich alle in jüdischen Händen befinden, verlangen jetzt von ihren Angestellten — fast ohne Ausnahme Juden — daß sie rumänische Namen annehmen: und so wird aus Baruch Weinberg Herr Benno Vineanu. (Das hindert die Banken allerdings nicht, mit einer Verbeugung nach der anderen Kategorie ihrer Kunden, Keren Hajessod zu zahlen.) Die junge Generation spricht nur noch rumänisch, weder jiddisch noch hebräisch. Rumänien ist die Grenze zwischen Aschkenasin und Sephardim. In der Dobrudscha wohnt eine kleine Anzahl rumänischer Sephardim, in nichts von den bulgarischen unterschieden. Die Sephardim in Bukarest sind die Elite der Bukarest er Judenheit; der letzte oder einer der letzten Vorsteher der sepharidischen Gemeinde dankte ab, da er sich taufen ließ. Mehr ist zur Charakteristik nicht zu sagen. Hans Kugel (Sport V. J. St. a. B.) Die Berliner Gemeindewahlen Von Siegfried Moses. Ich entspreche gern der Aufforderung der Redaktion, im „Jüdischen Studenten" die Berliner Gemeindewahlen und ihre Ergebnisse zu analysieren. Mir will scheinen, daß vielen von uns noch nicht recht klar ist, wie *lie primitive Frage zu beantworten ist, die wir alle uns nach der Wahl vorgelegt haben: War es ein Sieg oder eine Niederlage? Haben wir einen Mißerfolg gehabt, den wir in unseren offiziellen Verlautbarungen zu vertuschen suchen? Oder bestreiten umgekehrt die Liberalen zu Unrecht, daß wir einen Erfolg erzielt haben? L Der Versuch einer Analyse setzt voraus, daß wir uns in aller Kürze die für die Beurteilung maßgebenden Zahlen vergegenwärtigen, um sie dann zu deuten und zu werten. 15