Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537820-3537821--7827-3545875
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

problcm der Jewish Agency faszinieren lassen. Sie haben sie abgelehnt und lehnen sie weiterhin ab, weil sie bessere und demokratischere Wege suchen wollen, mit den nichtzionistischen Palästinafreunden zu einer Zusammenarbeit zu kommen, ohne das Wesen der jüdischen Volksbewegung zu gefährden. Sie sehen im Augenblick um so weniger einen Grund, ihre Haltung zu ändern, als die Jewish Agency in der heutigen Form schon jetzt als eine erledigte Angelegenheit betrachtet werden kann. Auch Herr Warburg hat keinesfalls nur nach außen, sondern, was der zionistischen Oeffentlichkeit allerdings bisher vorenthalten wurde, auch nach innen demissioniert. Und wenn diese letzte Säule geborsten ist, so bleibt nichts von Weizmanns pomphaft angekündigter Konstruktion übrig. Unrichtig ist die Darstellung über die Wahl einer sogenannten selbständigen politischen Exekutive in Prag. Es handelt sich hier lediglich um eine interne Frage der revisionistischen Organisation, durch die das Verhältnis zur zionistischen Weltorganisation und das formale Verhältnis zur Exekutive in keiner Weise berührt wird. Vielmehr hat die Konferenz ausdrücklich festgestellt, daß die Weltunion der Zionisten-Revisionisten nach wie vor einen integrierenden Bestandteil der Zionistischen Weltorganisation bildet. Eine Aenderung unserer Haltung zu dieser Frage ist nicht eingetreten und wird von verantwortlichen Stellen nicht diskutiert. Daß eine Bewegung wie die revisionistische mit dem Gedanken des Austritts spielt, ist ganz falsch. Wir können der Erörterung von Problemen nicht ausweichen, die sich uns in ihrer ganzen Schwere aufdrängen. Aber die Beschlüsse, die gefaßt worden sind, sind ganz eindeutig und können nur aus besonderen Gründen falsch interpretiert werden. Ebenso falsch ist die Behauptung, daß die Revisionisten der Galutharbeit desinteressiert gegenüberstehen. Es ist sicherlich nicht richtig, sich die Stellung zu zionistischen Problemen so ausschließlich von Fragen der Galutharbeit oder vielmehr der Galuthpolitik vorschreiben zu lassen, wie dies Grünbaum in Polen tut, und insofern kann man freilich behaupten, daß die radikale Partei in ihren wesentlichsten Bestandteilen in unheilvoller Weise von der Galuthpolitik abhängig ist. Daß diese Frage, im ganzen gesehen, aber nicht etwa einen prinzipiellen Gegensatz zwischen Radikalen und Revisionisten bedingt, beweist allein schon die Tatsache, daß S t r i c k e r f der bedeutendste Vertreter einer jüdischen Galuthpolitik außerhalb Polens, mit seiner Gruppe auf Grund seiner Einsicht in die wirklichen prinzipiellen Unterschiede sich von den Radikalen entfernt hat und heute mit den Revisionisten zusammengeht. Zu den komplizierten Fragen des Wirtschafts- und Sozialprogramms hier Stellung zu nehmen, reicht der Raum nicht aus. Die Radikalen haben ein eigenes Programm in diesen Fragen früher nicht besessen. Sie basierten ihre Opposition ausschließlich auf der einen Frage: der Jewish Agency> und vermochten der Programmlosigkeit des offiziellen Zonismus in allen Fragen des Aufbaues ein eigenes Programm nicht entgegenzusetzen. Hingegen hat der Revisionismus von Anfang an sich bemüht, ein positives Programm aufzustellen, daß die gesamten Fragen des Aufbaus umfaßt. Dafür 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.