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Der jüdische Student · 1931-01-01 · Heft 1 (Januar 1931) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
28 (1931)
Issue
Heft 1 (Januar 1931)
Date
1931-01-01
Page
[Seite] (sequence 10)
Language
German
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Radikale und Revisionisten In einer früheren Nummer des „J, St." wurde die Firage aufgeworfen: Was hindert Radikale und Revisionisten, sich zusammenzuschließen? Wir sind nicht der Meinung, daß jetzt der geeignete Zeitpunkt ist, dieses Thema -zu klären. Bbr. Wulf hat aber zu der angeschnittenen Frage das Wort ergriffen und dabei einige Dinge geäußert, die der Richtigstellung bedürfen. Bbr. Wulf sieht das einigende der beiden Gruppen zunächst in der Stellung zur Weizmannschen Führung und zum Brith Schalom. Die Ablehnung des Brith Schalom dürfte kein ausschließliches Charakteristikum der Opposition sein. Was aber die Stellung zur Weizmann-Exekutive angeht, so müssen wir sagen, daß gerade hier einer der Punkte ist, in dem wir uns von den Radikalen in der Praxis am meisten unterscheiden. Daß sich die Radikalen vielfach scharf gegen die Weizmann-Exekutive geäußert haben, ist nicht zu bestreiten, aber in den entscheidenden Momenten haben sie alles getan, um diese Exekutive zu stützen und zu erhalten. Grünbaum ist in Polen gegen den gesamten Zionismus für Weizmann eingetreten. In Deutschland war es Goldmann, der Weizmann zum Jenaer Delegiertentag gebracht hat. Er mag dabei sehr kluge Beweggründe gehabt haben, aber im Endeffekt hat er erreicht, daß Weizmanns Autorität für die Leitung der Z.V.f.D. und der Jüdischen Rundschau in die Wagschale geworfen und so jede Aenderung im Kurs des deutschen Zionismus verhindert wurde. Auf der letzten A. -C.-Sitzung sind die Radikalen in die politische Kommission gegangen und haben dadurch die Mitverantwortung für das Weizmannsche Regime übernommen. Daß sie auf der anderen Seite eine sehr unzuverlässige Stütze der Regierung sind und sich deshalb von deren überzeugten Anhängern mit Recht Vorwürfe machen lassen würden, ist die Konsequenz einer inkonsequenten Haltung. Die Revisionisten bekämpfen das gescheiterte System. Sie wollen mit allen legitimen Mitteln auf seinen Sturz hinarbeiten und halten sich für die Uebernahme der Verantwortung bereit, der sie sich im gegebenen Momente nicht entziehen werden. Besonders zwiespältig ist die Haltung der Radikalen in der Frage der Jewish Agency. Sie haben die Erweiterung der Jewish Agency nicht nur grundsätzlich bekämpft, sondern sie sind sogar so gänzlich in dieser Teilfrage aufgegangen, daß weiteste Kreise der zionistischen Bewegung in dieser Opposition den einzigen Existenzgrund der Radikalen gesehen haben. Nun wollen sie diese erweiterte Jewish Agency in ihrem eigenen Hause bekämpfen. Welche Erfolge sie bisher dabei erzielt haben, ist uns nicht bekannt. Die Radikalen müssen sich entweder mit der ganzen Haltung der Herren Warburg und Genossen identifizieren, oder sie müssen zugeben, daß sie den Kampf bisher mit sehr schlechtem Erfolg geführt haben — und das ist kein Wunder, denn sie haben sich der wirkungsvollsten Waffen beraubt, nachdem sie der Auslieferung der Zionistischen Organisation an ein Notabeinkomitee durch ihre Haltung tatsächlich zugestimmt haben. Die Revisionisten haben sich niemals in derselben Weise von dem Teil- 9

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