Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 28 (1931)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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wird er nun freilich wieder verdächtigt, sozialreaktionäre Wege beschritten zu haben. Was der Revisionismus tatsächlich verlangt: paritätische Arbeitsnachweise und obligatorisches Schlichtungswesen, hat allerdings mit Sozialreaktion nichts zu tun. Der Revisionismus bekämpft die unzeitgemäße Uebertragung von Klassenkampfmethoden in das palästinensische Aufbauwerk, und die kongreßpolitische Haltung der sozialistischen Parteibürokratie, die aus Gründen, die mit Sozialismus nichts zu tun haben, durch dick und dünn mit Weizmann und den Notabein der Jewish Agency gegangen ist und weiter gehen will. Wir beschränken uns auf diese wenigen Bemerkungen, die wir zur Richtigstellung machen mußten. Worum es Wulf geht, beweist ja ziemlich einwandfrei der Schlußabschnitt. Es soll einer Gruppe von Wählern, die sich zu einer eindeutigen prinzipiellen Haltung noch nicht entschließen konnte, das Programm der radikalen Partei mundgerecht und die Konkurrenz ein wenig verekelt werden. Wenn die Radikalen sich damit begnügen, ihre Art von Opposition als weniger extrem und gefährlich darzustellen, so kann uns das nur recht sein. Wir bemühen uns in keiner Weise, den unüberbrückbaren Gegensatz zwischen uns und dem gegenwärtigen im Zionismus herrschenden System zu verschleiern. Die Richtlinien unseres Programms sind klar und eindeutig. Wir können die Wähler nur auffordern, aus der Geschichte der letzten Jahre mutig und verantwortungsvoll den Schluß zu ziehen und eine Entscheidung zu fällen, die wirklich eine Entscheidung ist. Hans Bloch. * Reichsbund der jüdischen Siedlung in Deutsch* land (RIS) Der „Reichsbund für jüdische Siedlung in Deutschland'* hat mit Hilfe eines Kredites der Berliner Jüdischen Gemeinde von 100 000,— RM. das Gut Groß-Gaglow, 5 Kilometer von Kottbus entfernt, erworben. Hier ist geplant, 50—60 jüdische Gärtner und Geflügelzüchter und vielleicht auch 3—4 jüdische Bauern seßhaft zu machen. Schon jetzt arbeiten auf dem Gute unter der Leitung eines jüdischen Inspektors und eines jüdischen Obergärtners 8 Juden in der Landwirtschaft und im Gärtnereibetrieb. Ihre Zahl wird bei Beginn der Frühjahrsarbeiten auf ungefähr 20 erhöht werden. Der landwirtschaftliche Betrieb von ungefähr 800 Morgen mit gutem Viehbestand und guter Milchwirtschaft wird zunächst weitergeführt. Der mit dem staatlichen Kulturamt festgelegte Aufteilungs- und Siedlungsplan sieht für das kommende Jahr die Schaffung einer Gutsgärtnerei von etwa 15 Morgen und die Anlegung von 6 Gärtnerstellen zu 6 Morgen vor. Diese 6 Gärtnerstellen werden mit je 2 Morgen Spargel, 1 Morgen Himbeeren und 1 Morgen Erdbeeren ausgestattet, die restlichen 2 Morgen verbleiben als Haus- und Gemüsegärten für den Eigenbedarf. 11