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Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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Der Analyse dieser religiös-irrationalen Komponenten ist ein erster „Die Voraussetzungen" betitelter Teil dieses Buches „England und Palästina" gewidmet, von dessen Publikation ich dem Kartell entsprechend einer Bitte der J. St.-Redaktion durch diese Selbstanzeige Kenntnis geben soll. Dieser Aufforderung leiste ich — wenn auch nur zögernd — insofern gern Folge, als gerade in der gegenwärtigen politischen Situation der Bewegung diese so lange Zeit nur latent vorhanden gewesenen Gedankengänge, deren Analyse mir immer so sehr am Herzen gelegen hat, wieder ganz das politische Handeln bestimmen. Aber auch die anderen quantitativen „Voraussetzungen" der Balfour-Deklaration, „Palästina im Rahmen der englischen Orientpolitik" werden in einer eingehenden historischen Darstellung beleuchtet. Diese sich über einen Zeitraum von 150 Jahren erstreckende historisch-genetische Analyse gibt erst die Möglichkeit, den Ablauf der National Home-Politik seit Kriegsende in ihrem vollen Ausmaß zu überblicken. Erst von hier aus scheint mir die Möglichkeit einer politischen Meinungsbildung gegeben zu sein. Ausgangspunkt der neueren Entwicklung (etwa seit 1914) sind die divergierenden Tendenzen der englischen Near-East-Politik, deren Existenz letztlich auch zu dem neuesten Weißbuch geführt haben. Die reale Wirksamkeit dieser Komponenten konnte man bereits in der ganzen politischen Entwicklung seit 1920, seit der Zivil-Verwaltung Herbert Samuels beobachten, nachdem die vorangegangene Zeitperiode von 1917 bis zur Pariser Friedenskonferenz mit Vorstellungen über die Möglichkeiten eines jüdischen Palästinas von „nahezu apokalyptischer Weise", um ein Wort Samuels zu zitieren, erfüllt waren. An dieser Entwicklung kann man in schon paradigmatischer Form die Axiomatik des englischen politischen Handels ablesen. In erster Linie die Tendenz, alles dem Zwang einer empirischen Entwicklung zu überlassen, das Prinzip des „Muddling Through" (des Durchwursteins) — wie es der bekannte politische Journalist Wickham Steed bezeichnet hat — nach welchem, „nie die Logik des Verstandes, sondern nur die der Ereignisse und Erfahrung die politische Auffassung des Engländers bestimmen". Von diesem Gesichtswinkel aus werden die politischen Voraussetzungen, unter denen sich der Aufbau der nationalen Heimstätte in Palästina vollzieht, verständlich. Diese ganze Entwicklung wird unter Zugrundelegung eines umfangreichen Materials zur Darstellung gebracht. Insbesondere die zahlreichen Protrokolle der Mandats-Kommission des Völkerbundes, deren eingehendes Studium jedem politischen Zionisten nicht warm genug empfohlen werden kann, sowie alle wichtigen offiziellen Publikationen der englischen — und Palästina — Regierung werden berücksichtigt. Diese Arbeit scheint mir insofern eine Lücke auszufüllen, als — wie aus den obigen Ausführungen schon ersichtlich — die politisch-historischen und soziologischen Grundlagen des „National Home" in einer monographischen Darstellung analysiert werden, wTährend in den bisherigen Publikationen der Fragen-Komplex in der Hauptsache nach der juristisch-völkerrechtlichen Seite hin beleuchtet wird. Auch gerade aus diesem Grunde gebe ich mich der angenehmen Hoffnung hin, den spezifischen Aufgaben des Kartells — der Erziehung politischer Zionisten — irgendwie dienlich gewesen zu sein. 34

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