Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Jüdische Geschichte Eine Selbstanzeige von Joachim Prinz. Anfang Dezember erscheint im Verlag für Kulturpolitik eine Jüdische Geschichte in einem Bande von etwa 300 Seiten mit 16 Abbildungen von Bbr. Joachim Prins Es kostet in Ganzleinen 10,— RM. Wir haben Prinz gebeten, im J.St. ein paar Worte zu dem Buche zu sagen» Die Red. d. J.St. Der Plan zu dieser jüdischen Geschichte ist aus Vorbereitungen zu Kursen in der Schule der jüdischen Jugend entstanden. Es sollte dort für einen Kreis von Jugendlichen die jüdische Geschichte in einem Zuge dargestellt werden — unter Fortlassung alles Unwesentlichen und jedes unwichtigen Details. So etwa, wie K 1 a b u n d die „Literaturgeschichte in einer Stunde" dargestellt hat, so wie Wells die „Geschichte der Welt" und van L o o n die „Geschichte Amerikas" geschildert hat. In der Tat stellte es sich gerade bei diesen Kursen heraus, daß dieses der Hauptmangel unserer historischen Bildung war: man kennt die eine oder andere Gestalt oder gar Epoche, aber sie steht zusammenhanglos im Raum der Erinnerung, gliedert sich weder der Weltgeschichte, noch dem übrigen Ablauf der jüdischen Geschichte ein. Meine „Jüdische Geschichte" will keines der vorhandenen Werke ersetzen. Im Gegenteil: es soll anregen, manche Epoche, die tieferes Interesse beansprucht, in den großen Werken oder in eingehenderen Studien weiterzuverfolgen. Aber diese Anregung soll von der einbändigen Geschichte ausgehen. Das Buch ißt kein wissenschaftliche®, sondern, wenn man will, ein journalistisches Buch. Man kann sicherlich vieles aus ihm lernen. Aber es ist jüdische Geschichte „vu par un temperament". Es ist nicht „objektive" Geschichte. Wenigsten® haben manche Gestalten, etwa Mose, Josel von Rosheim, Leon da Modena, Rathenau, Mendelssohn, Salomo, David, Jerobeam eine besondere und nicht immer mit der „objektiven" Wissenschaft im Einklang stehende Deutung erfahren. Auch Erscheinungen wie z. B. der Typus des sephardisöhien Juden und sein Eindringen in die Geschichte des außerspanischen Europa, seine Eingliederung in die frühkapitalistische Wirtschaft — das alles kann man, wenn man will, eine „einseitige" Darstellung nennen. Ich glaube aber, daß nur eine solche Art der Darstellung, die schon von vornherein eine Lebendigkeit der Darstellung fordert, geeignet ist, das zu erfüllen, was die Aufgabe dieses Buches war. Als Leser wünsche ich mir den gebildeten deutschen Juden. Nicht den Wissenschaftler. Nicht den an Spezialproblemen Interessierten. Sondern denjenigen, der — wie es im Vorwort heißt — „etwas von der Spannung, von der Dynamik, von dem Drama" der jüdischen Geschichte spüren will. Meine „Jüdische Geschichte" stellt den ersten Versuch dar, die jüdische Geschichte in ihrem Gesamtablauf von der Antike bis zur Gegenwart in einem Bande darzustellen. Als ein Versuch also wird sie dem Urteil der Oeffentlichkeit unterbreitet. 35