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Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Ganz einfach deswegen, weil die Juden in Palästina begriffen haben, daß sie damit das grenzenlose Verbrechen sanktionieren würden, das man an ihnen verübt hat, während sie bei veränderter Konstellation immer darauf hinweisen können, daß sie im Protest gegen diese Schmach gelebt haben, weil es immerhin noch möglich ist, daß die Freiheit der Minoritäten sich zu irgendeiner Zeit eine Gasse bahnen wird im Bewußtsein der Völker, und weil die Juden hier gelernt haben, daß der böse Wille einer Regierung eine Minderheit ebenso rechtlos lassen kann, wie sie eine Majorität im Stadtparlament in Jerusalem machtlos gemacht hat. Und nun fragt Ihr Euch, gibt es einen Ausweg? Die Antwort: Es gibt in schwierigen Situationen immer Auswege oder Wege zu Auswegen. Aber durch Arbeit, nicht durch Chochmoth. Um diese Arbeit zu leisten, muß man Charakter haben und darf nicht zu einem Anbeter englischer Weltmacht oder zu einem Fatalisten werden. Wenn die Zionisten in aller Welt aufhören werden, sich spielerischen und größenwahnsinnigen Ideen hinzugeben: vom Aufbau einer neuen Gesellschaft, eines „gerechten" Lebens und wie die Phrasen alle heißen, denen wir so viele Jahre stumm zugehört haben, und sich werden leiten lassen von den einfachen klaren Ideen von Herzl: „Judennot—Judenland", wenn sie den Mut haben werden, ihre Feinde zu bekämpfen und für ihre Sache nicht nur mit Druckerschwärze einzustehen, sondern mit ihrer Person, ihrem Vermögen, ihrem Einfluß, dann wird es gelingen, einen Ausweg zu erarbeiten. Was das aber den deutschen Zionismus von heute angeht, darauf weiß ich wirklich keine Antwort. Hermann Ungar Von Thomas Mann. Es ist ein Jahr her, daß unser Bundesbruder Hermann Ungar starb. Aus diesem Anlaß ist jetzt bei Ernst Rowohlt ein Band Novellen aus dem Nachlasse Ungars erschienen. Thomas Mann hat diesem Bande die folgende Einleitung auf den Weg gegeben: Das wehmütige Vorrecht, die schöne Pflicht, diesen Nachlaßband Hermann Ungars beim deutschen Publikum einzuführen, leite ich von der Tatsache her, daß ich zu den ersten gehörte, die das außerordentliche Talent des Verstorbenen empfanden und darauf hinwiesen. Da ich mich für seinen Erstling, „Knaben und Mörder", einsetzte, wäre es nicht recht, wenn ich beim Erscheinen seines letzten, postumen Werkes unbeteiligt beiseite stände — dessen seelische Schönheit und künstlerischer Reiz mich noch mehr ergreifen, als die Eigenschaften des ersten es einstmals taten. Denn damals war alles Hoffnung, Aufhorchen, Freude am Aufgang eines verheißungsvollen Gestirns, Lebenszuversicht; heute deckt die Erde dieses Leben, das Träger so großer und nicht zur Erfüllung bestimmter Gaben war. Hätten wir also falsch gesetzt, instinktlos gehofft? Nein, ich will mich nicht schämen, das Todbestimmte dem Leben empfohlen zu haben. Der 29

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