Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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In diesem Augenblick kommt Weizmami und predigt: „Nichts gegen England!" Er hat noch nicht genug, er glaubt noch, und die Menschen in allen Weltteilen, die er zehn Jahre lang irregeführt hat, lassen ihn nicht gehen, sondern zwingen ihn zu bleiben und zu dem Fluch des Mißerfolges auch noch den Fluch der Lächerlichkeit auf sich zu laden. Und nun sehe man sich die Argumentation unserer Menschen an. Welch ein blödes von einem Extrem-ins-andere-Fallen. „Was können wir gegen England?" — „Die Zeit arbeitet für uns/' — „Rom ist vergangen und wir sind geblieben", und dergleichen. Als ob nicht alles richtig und alles falsch wäre. Als ob die Aufgabe darin bestünde, durch eine Kombination, durch einen Tip eine bessere Zukunft herbeizuzaubern anstatt in der Erkenntnis, durch Arbeit und Organisation zu einem Machtfaktor selbst zu werden. . Und die Lage in Palästina selbst? Die Regierung wird durch neue Steuern die Juden noch mehr auspowern, als sie es ohnehin sind. Es wird eine reguläre Ausraubung der Minderheit, die in ihrer Geschäftsgebarung klar und leicht erfaßbar ist, im Gegensatz zu den Arabern, stattfinden!. Auf der anderen Seite wird zwei Dutzend arabischen Schreiern durch Pöstchen für eine kurze Weile Teilhaberschaft an dem Geschäft geboten werden. Der Kommunismus unter der enttäuschten jüdischen Jugend entwickelt sich, jedem fühlbar, außerordentlich stark und durch den steigenden Abtransport dieser Menschen wird die zu bewilligende kleine Zertifikatsmenge reichlich ausgeglichen werden. Nach einigen Jahren werden die Araber nicht® von der Regierungspolitik gewonnen haben. Die Ef f endis, im Gegenteil, werden vermutlich Hintertürchen finden, um soviel Land an die Juden zu verkaufen als zur Fortsetzung ihres arbeitsleeren Daseins notwendig ist. Sollten aber inzwischen die Mossulröhren und die Bagdadbahn Geschäftsmöglichkeiten größeren Stiles eröffnen, so wird für englische Gesellschaften, analog der Anglo-Persian Co. in Persien, zu Bodenkäufen zu billigen Preisen natürlich Gelegenheit vorhanden sein. Es werden bei erneuter Aufrechnung des Flächeninhaltes von Palästina sich einige Millionen Dunam plötzlich wieder einfinden, welche Herrn Simpson in der Eile abhanden gekommen sind, und alles wird wieder seine Richtigkeit haben. Inzwischen aber steht die jüdische Minderheit vor einer Krise, die dadurch noch erschwert wird, daß ohnehin im Winter die wirtschaftliche Situation ungünstiger wird. Wir haben heute, Anfang November, bereits eine Arbeitslosigkeit von Bedeutung. Sie wird auf 1500 geschätzt. Seit einem Jahre sind die Einkünfte des Keren Hajessod miserabel und müssen es auch sein. Es wird auch nicht besser werden, d>enn ein kleiner Zionismus und ein kleiner Jischuw kann nicht mehr einbringen als, sagen wir einmal, ein Großfeuer oder ein Pogrom in einem anderen kleinen Judenzentrum, Und angesichts dieser Situation wird vermutlich die jüdische Einigkeit in Trümmer gehen, weil zu irgendeiner Zeit dieser oder jener Teil, ich sage es in Aengsten, auf die Idee kommen wird, man müsse sich doch beteiligen am Legislative Council oder dergleichen. Nun ja, wie steht's damit? Warum sind wir eigentlich so gegen eine Beteiligung? Fragen darf man doch! 28