Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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auch in diesen Wochen sich den Schwierigkeiten gewachsen zeigen und jede Panik vermeiden, die unsere Position noch mehr bedrohen würde» Das Galuth hat nunmehr zu zeigen, daß sie dem Jischuw an Hingabefähigkeit und Gläubigkeit nicht nachsteht. Wir wollen den alten Satz nicht vergessen, daß Regierungen kommen und gehen, die Völker aber bleiben. Das englische Volk ist nicht mit der gegenwärtigen Regierung identisch; wäre es aber dies, so würde auch dann das jüdische Volk an den Idealen festhalten, an deren Verwirklichung wir arbeiten und unbeirrt arbeiten werden. * * * Von Dr. Felix Danziger, Tel Awiv. Nur ungern folge ich der Aufforderung des Präsidium®, meine Meinung zur politischen Lage zu äußern. Einfach deshalb, weil ich aus der Erfahrung des Jenaer Delegiertentages, aus der Rundschau und ähnlichen Quellen zu der Erkenntnis gekommen bin, daß die deutschen Ziondsten auf die Augustereignisse und deren Folgeerscheinungen in einer Weise reagieren, die mit einer normalen Reaktion nicht® zu tun hat, sondern die bestimmt wird durch Faktoren, die außerhalb der zionistischen Ideologie und außerhalb der zionistischen Wirklichkeit liegen. Ich habe meine Rede in Jena mit den Sätzen begonnen: „In Palästina hat niemand Vertrauen zur palästinensischen Regierung, kaum jemand zum Colonial Office und nicht allzuviele zum englischen Volke." Ich entsinne mich, daß diese Ausführungen einem starken Mißtrauen weitester Kreise begegneten, und ich habe auch nicht gefunden, daß die Reaktion auf meine intimen Ausführungen im K.J.V. von der Art gewesen ist, wie ich sie nach Lage der Sache hätte erwarten müssen. Die Lage ist so: Es wird keine nennenswerte Abschwächung des White-papers in London erfolgen. Man spielt dort quasi mit verteilten Rollen. Wäre Baldwin am Ruder, so hätte Macdonald seinen Brief an die Times geschrieben. Die Brutalität englischen Verrats wird nur durch die unfaßbare Verlogenheit ihrer Argumentation übertroffen. Der Völkerbund hat weder die Macht noch Lust, korrigierend einzutreten. Gebranntes Kind scheut das Feuer. Die Palästinaverwaltung ist durch und durch feindlich, antisemitisch und weiß jetzt in der Tat genau und autorativ, daß England von den Juden nichts wissen will, daß England mit dem Gelde, das die Juden ins Land bringen, und von den Steuern, die sie bezahlen, ihre englischen Beamten über alle Gebühr hoch bezahlen und den Arabern gelegentlich einige Köder vorwerfen dürfen. Dieser Zustand könnte nur geändert werden, wenn die Judenheit der Welt systematisch zur Feindschaft gegen England aufgerufen und in ihr verharren würde. Die Folge dieser Feindschaft würde sein: Die Untergrabung des englischen Renommees in der Welt, die Feststellung, daß England kein anständiger Partner ist, eine Feststellung, die sich in ihren Folgen der Abschätzung entzieht und: 10 Millionen (von 16) anspruchsvoller Menschen sind ein Markt, der, wenn er ausfällt, nicht ohne Bedeutung ist. 27