Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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barkeit und deren Tempo, auch wenn guter Glaube der Regierung vorausgesetzt wird, wegen finanzieller und administrativer Schwierigkeiten sehr skeptisch zu beurteilen sind und ordnet die Einrichtung eines Legislative Council an, in welchem die Juden in aussichtsloser Minorität wären und an welchem sie sich deshalb nicht beteiligen werden. IV. Unsere Aufgaben. Ich möchte Selbstverständlichkeiten vermeiden. Es darf keine Verzweiflung, keine Müdigkeit, kein Aufhören der Arbeit geben. Unser Werk steht nicht zum erstenmal vor solcihien Schwierigkeiten und wird auch diesmal sich den Weg ins Freie erkämpfen. a) Politik oder praktische Arbeit? Diese jetzt wieder beliebte Fragestellung ist heute so falsch wie nur je. Es gibt hier kein entweder — oder, sondern nur ein sowohl — als auch. Die Fragestellung, was dem anderen vorauszugehen hat, entbehrt jeden realen Sinns. b) Politik: Es muß klar sein, daß das gegenwärtige Weißbuch der Arbeiterregierung das Ergebnis intensiver einjähriger Beschäftigung mit dem Palästinaproblem ist und, obwohl es ein sehr klägliches Ergebnis dieser Bemühungen ist, ist es unwahrscheinlich, daß eine grundsätzliche Neuorientierung in den nächsten Monaten erreicht werden kann. Die Hauptaufgabe muß jetzt sein, durch großzügigste Aufklärungsarbeit in England und beim Völkerbund die Voraussetzung für eine Wiederaufnahme des Prozesses mit der Regierung zu schaffen. Selbstverständlich müssen zugleich alle Bemühungen fortgesetzt werden, um alle Abschwächungen der verkündeten Politik zu erreichen und uns alle Vorteile zu sichern, die möglich sind. c) Araberpolitik: Die Frage, ob wir bisher Fehler gemacht haben und ob wir insbesondere durch größere. Aktivität auf dem Gebiet der arabischen Politik uns heute in einer wesentlichen anderen Position befinden würden, ist gegenstandslos, und die ganze Schuldfrage sollte ausgeschaltet werden. Sicher ist, daß die Araber, die Sieger des bisherigen Kampfes, zurzeit weder Grund noch Veranlassung haben, uns Konzessionen zu machen. Wir können ihnen andererseits! kaum mehr Konzessionen machen, als sie uns das Weißbuch wider Willen auferlegt. Haben doch selbst radikale Anhänger der Brith Schalom-Gedanken niemals solche Konzessionen an die Araber in Aussicht genommen, wie sie uns jetzt abgenötigt werden. Die Araber können sich jetzt überzeugen, ob wirklich Einstellung der Einwanderung und Aufhören der Bodenkäufe für sie vorteilhaft ist. Was von unserer Seite geschehen kann, um die Erkenntnis bei den Arabern zu beschleunigen, daß eine Wiederaufnahme unseres Werkes in ihrem Interesse liegt, sollte gewiß geschehen. Unabhängig davon müssen systematisch alle bisherigen Versuche zur Kooperation mit den Arabern auf wirtschaftlichem, sozialem und 25