Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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e) Nach Ansicht Simpsons und des Weißbuchs ist in Palästina außer dem bereits in jüdischem Besitz befindlichem Boden kein weiterer Boden für jüdische Kolonisation zu finden, wenn nicht durch systematische Landesentwicklung und Intensivierung der Landwirtschaft neuer Boden freigemacht wird, in welchem Falle für mindestens 20 000 jüdische Familien Platz sein soll. Da hier keine Kritik des Weißbuchs im Einzelnen gegeben werden soll, sei nur im Vorübergehen darauf aufmerksam gemacht, daß das Resultat vor allem auf die Weise erreicht wurde, daß die 1% Millionen Dunam kulturfähigen Bodens im Berschewah-Bezirk (ganz abgesehen von Transjordanien) aus der Rechnung fortgelassen wurden, das durchschnittliche Bodenmaß viel zu hoch mit 130 Dunam angegeben wurde und die Berechnung der landlosen Araberfamilien alle Dorfbewohner ohne weiteres als Landwirte betrachtet. Der Plan der systematischen Landesentwicklung durch die Regierung erfordert ungeheure Mittel — das Weißbuch deutet bereits die schlechte Finanzlage der Regierung an — bedeutet das Vorhandensein einer vollkommen anderen Administration als der heutigen und eine völlige Umstellung aller Verhältnisse in Palästina. Wenn man weiß, daß die bloße Katastrierung des palästinensischen Bodens, eine der vielen Voraussetzungen für die ganze Aktion, wenn im bisherigen Tempo weitergeführt, allein noch Jahrzehnte in Anspruch nehmen würde, muß man vom jüdischen Standpunkt aus diesem an sich positivem und begrüßenswertem Teil des Weißbuchs mit größter Skepsis gegenüberstehen. f) Das Weißbuch ordnet die Konstituierung des 1922 von den Juden akzeptierten, von den Arabern boykottierten Legislative Council an. Die Zusammensetzung war 1922: 10 ernannte Mitglieder, 10 gewählte Araber, 2 gewählte Juden. Unsere Zustimmung beruhte 1922 auf der Annahme, daß Regierungsvertreter und Juden in entscheidenden Fragen zusammengehen und eine Majorität bilden würden. Da dies nach Lage der Dinge jetzt nicht mehr in Frage kommt, und das Legislative Council im übrigen ein integrierender Bestandteil des antizionistischen Weißbuchs ist, hat der Vaad Leumi einstimmig die Boykottierung des Legislative Council durch die Juden beschlossen. Die Regierung hat im Weißbuch angekündigt, daß sie im Falle der Boykottierung der Wahlen auch die eigentlich zu wählenden Mitglieder ernennen würde. In solchem Falle wäre es nicht ganz ausgeschlossen, daß etwa ein radikales Brith Schalom-Mitglied oder ein Mitglied der Agudas Jisroel eine Ernennung annehmen würde, obwohl dies nicht wahrscheinlich ist. Würde er sie annehmen, so würde der Jischuw ablehnen, in diesen Personen seine Vertreter zu sehen. g) Zusammenfassung; Das Weißbuch macht den Schutz der Araber zum Hauptinhalt des Mandats, setzt den jüdischen Jischuw statt des jüdischen Volks, macht weitere jüdische Einwanderung von arabischer Arbeitslosigkeit und arabischen subjektiven Gefühlen abhängig, bekämpft das Prinzip der jüdischen Arbeit und den Keren Kajemeth, macht weitere jüdische Kolonisation — abgesehen von den bereits jüdischen Böden — von einer systematischen Landesentwicklung abhängig, deren Durchführ- 24