Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Völkerbundskommission, die als oberstes Organ sprechen würde. Es soll nunmehr eine kurze Analyse der britischen Palästinapolitik versucht werden, wie sie sich aus diesen beiden Dokumenten ergibt. a) Während wir bisher die Errichtung des Nationalheims für die zentrale Aufgabe des Mandats hielten, die durch die Sicherung der bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber eingeschränkt wird, erklärt das neue Weißbuch formell, daß die Verpflichtungen gegenüber den Arabern mit den Verpflichtungen gegenüber dem jüdischen Nationalheim auf einer Stufe stehen. In Wahrheit aber durchbricht das Weißbuch selbst dieses Prinzip und stellt den Schutz der Rechte der Araber als die eigentliche Aufgabe des Mandats hin, neben der, soweit diese Rechte dadurch nicht berührt werden, von dem Nationalheim auch die Rede sein könne. Außerdem erweitert das Weißbuch den Begriff der bürgerlichen und religiösen Rechte der Araber, indem es auch ihre wirtschaftliche Position einbezieht. b) Das Weißbuch verkennt absichtlich den Grundgedanken des Mandats, der nicht dem palästinensischen Jischuw, sondern dem ganzen jüdischen Volk ein Recht auf Errichtung seiner Heimstätte zuerkennt. Das Weißbuch dagegen arbeitet ständig mit dem Begriff „beide Teile der Bevölkerung". Ueberflüssig zu bemerken, daß damit der Grundgedanke des nationalen Heims verkannt wird. c) Das Weißbuch zitiert zustimmend den Abschnitt über Einwanderung im Churchill*sehen Weißbuch von 1922, vertritt aber in Wahrheit einen völlig anderen Standpunkt. Das Weißbuch von 1922 macht die jüdische Einwanderung von der Fassungskraft des Landes abhängig, verlangt also den Nachweis, daß für die neu ins Land zu bringenden Einwanderer Arbeit vorhanden ist. Das neue Weißbuch läßt die jüdische Einwanderung davon abhängig sein, daß keine arabischen Arbeitslosen im Lande vorhanden sind. Zu welchen Konsequenzen das führen wird, hat M. Beilinson im „Dawar" vom 3. November auseinandergesetzt, worauf hier verwiesen sei. Aber selbst über diese unerhörte Neuerung hinaus soll die Einwanderung in Zukunft auch mit dem Gefühl der arabischen Bevölkerung rechnen, wonach die wirtschaftliche Lage Palästinas durch die jüdische Einwanderung verschlechtert wird. Die Formulierung des Weißbuchs zeigt klar, daß nicht verlangt wird, daß die Berechtigung eines solchen Gefühls durch Tatsachen belegt wird. d) In bezug auf die bisherige jüdische Kolonisation nimmt das Weißbuch Stellung für die PICA-Kolonisation mit arabischer Arbeit gegen die zionistische Kolonisation mit jüdischer Arbeit (Typ Magdiel) oder mit Selbstarbeit (Typ Nahalal, Deganiah). Die Kolonisationsinstanzen, insbesondere Keren Kajemeth und Keren Hajessod, werden aufs schärfste getadelt, weil sie in den Verträgen mit den Siedlern jüdische Arbeit zur Bedingung machen. Maßnahmen zur Verhinderung oder Erschwerung weiteren Bodenerwerbs durch den Keren Kajemeth, der sich selbstverständlich weigern wird, vom Prinzip der jüdischen Arbeit abzugehen, liegen im Bereich der Möglichkeit. 23