Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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richten, und die Araber verstanden gut, daß sie nur ihren Antizionismus einmal deutlich zu demonstrieren brauchten, um die letzten Schwierigkeiten zu beseitigen, die ihnen aus der Existenz der prozionistischen Versprechungen etwa erwachsen konnten. Die jüdischen Beschwerdepunkte über die Politik der Regierung waren schon vor dem Ausbruch der Augustunruhen zahllos: Führung einer unfreundlich hemmenden Politik statt Förderung des jüdischen Nationalheims, keine Staatsländereien, Behinderung der Einwanderung, eine das Kolonialwerk nicht berücksichtigende Steuerpolitik, ungenügender Zollschutz, Zurücksetzung des jüdischen Arbeiters, Zahlung von Hungerlöhnen, keine Arbeiterschutzgesetzgebung, mangelnde Unterstützung des jüdischen Schul- und Sanitätswesens. Berücksichtigt man diese politischen Verhältnisse, so erscheint die Großartigkeit der bisherigen jüdischen Aufbauleistung erst im richtigen Lichte. IL 23. August 1929 — 20. Oktober 1930. Als die Araber die Winke der Luke und Genossen (wenn es nicht mehr als Winke waren) richtig verstanden und in den letzten Augusttagen 1929 das jüdische Siedlungswerk zu zerstören versucht hatten, war man sich sofort auf allen Seiten klar, daß es sich jetzt nicht mehr um die Klagemauer handele, sondern um eine grundsätzliche Neuaufrollung der Palästinafrage. Die zionistische Forderung ließ sich in einem Satz zusammenfassen: wirkliche Ausführung des Mandats. Unsere Argumentation war, daß nur die bewußt mandatswidrige Verwaltung Palästinas die Araber ermutigt habe, den blutigen Ueberfall auf die Juden zu versuchen und das es notwendig sei, nicht durch Worte, sondern durch eindrucksvolle Handlungen die Araber davon zu überzeugen, daß die Balfour-Erklärung eine Wirklichkeit sei. Die arabische Gegenforderung lautete: Aufhebung der Balfour-Erklärung, häufig sogar: Aufhebung des Mandats. Aber die Araber gingen zum erstenmal ins Detail. Vor der Shaw-Kommission entrollten sie ein Bild von der angeblichen Vertreibung des Fellachen vom Boden durch die jüdische Kolonisation und von der schädlichen Wirkung der jüdischen Einwanderung auf die Wirtschaft des Landes. Es waren vollkommen neue Behauptungen, die bis dahin weder in den arabischen Beschwerden an den Völkerbund, noch in der arabischen Presse auch nur erwähnt worden waren. Die arabische Politik zeigte erneut, wie gefährlich sie für uns war, indem sie moralische Bedenken irgendwelcher Art nicht kannte. Wie man durch die unerhörtesten Lügen die Fellachen und Beduinen zum Ueberfall auf die jüdischen Siedlungen gebracht hatte, wie man durch Organisierung eines falschen Zeugendienstes die Freisprechung schuldiger Araber und die Verurteilung unschuldiger Juden zu erreichen suchte, so scheute man keinen Augenblick davor zurück, durch aus den Fingern gesogene Statistiken das Vorhandensein einer bis dahin völlig unbekannten arabischen Arbeitslosigkeit zu beweisen und eine Klasse landloser Fellachen, Opfer der jüdischen Kolonisation, aus dem Boden wachsen zu lassen. Die herrschende arabische Schicht, Großgrundbesitzer und hohe Geistlichkeit, erwiesen sich als er- 21