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Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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Palästina nach dem Weigbudi Von Fritz Loewenstein, Jerusalem. L 2. November 1917 — 23. August 1929. Die Balfour-Erklärung, die die größten Anstrengungen der englischen Regierung zugunsten der Verwirklichung des Zionismus verhieß, und das Palästinamandat, das England verpflichtete, das Land unter solche politischen, administrativen und ökonomischen Bedingungen zu stellen, die die Errichtung des jüdischen Nationalheims garantieren, haben stets nur auf dem Papier gestanden. Niemals hat es in Palästina eine Administration gegeben, die auch nur den guten Willen gezeigt hätte, diese Versprechen auszuführen. Das militärische Regime der ersten Jahre war offen antizionistisch und die damals geschaffene Zivil Verwaltung mit antizionistischen Engländern und noch antizionistischeren christlichen Arabern besteht bis zum heutigen Tage unverändert fort. AI© die Zivilverwaltung geschaffen wurde, als der erste Oberkommissar, der Jude Herbert Samuel, seine Tätigkeit begann, schien es einen Augenblick, als wäre die Balfour-Erklärung ernst gemeint. Aber es schien nur so. Die Maipogrome von 1921 wurden von Herbert Samuel mit der Sperre der jüdischen Einwanderung beantwortet: der erste Anfang jener Politik, die den Arabern klarmachte, daß sie mit Gewalttaten bei den Engländern alles erreichen können, wenigstens soweit nur jüdische Interessen auf dem Spiel standen. Es folgte das Churchill'sehe, in Wahrheit Samuel'sche Weißbuch, das im Vergleich zu dem Paßfield'schem von 1930 passabel klingt, im Vergleiche zur Balfour-Erklärung jedoch eine Verleugnung der Grundlagen enthält. Und dann folgten alle jene weiteren Maßnahmen der Samuel'schen Verwaltung: die Verteilung der wichtigsten Staatsländereien in offenem Bruch des Mandats an die Araber, die Beförderung der arabischen1 Pogromanstifter von 1921 zu den obersten Posten (Amin Husseini zum Obermufti etc.) das Werben um die arabische Gunst (Legislative Council, Arab Agency): das alles in der verfehlten Annahme, die Araber versöhnlich stimmen zu wollen, während die wirkliche Folge nur war, den Arabern immer klarer zu machen, daß England seine den Zionisten gegebene Versprechungen selbst nicht ernst nimmt. Herbert Samuels Schlußbericht von 1925 gibt ehrlich zu, daß die Regierung nichts für den Aufbau des jüdischen Nationalheims getan habe und die jüdischen Beschwerden durchaus berechtigt seien. Entgegen einer vielfach verbreiteten Meinung brachte das Regime Plumers keine Besserung dieser Verhältnisse, wenn auch keine fühlbare Verschlechterung. Mit Plumers Weggang und dem Hervortreten Lukes als Zivilsekretär, dessen Einfluß auch der neue Oberkommissar Chancellor völlig unterlag, wurde die antizionistische Richtung der Regierung wieder klarer, und in der Klagemauerangelegenheit etwa war Luke kaum etwas anderes als das ausführende Organ des Mufti. Systematisch wurde den Arabern klar gemacht, daß die Balfour-Erklärung ein Stück Papier sei, daß nur die Rücksicht auf die Juden die Regierung heute hindere, eine „nationale Regierung" in Palästina einzu- 20

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