Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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erklärte, daß seine Demission auch nach innen als endgültig zu betrachten sei und daß er nur noch bis zum Kongreß sich weiter an der politischen Arbeit beteiligen werde. Ob er bei diesem Beschluß verharrt, wird natürlich davon abhängen, wie sich die außenpolitische Situation in den nächsten Monaten gestaltet. Es ist ganz deutlich, daß die englische Regierung sich inzwischen davon überzeugt hat, daß die Publikation des letzten Weißbuches ein Fehler war. Die Regierung in London wie in Palästina zeigte sich außerordentlich überrascht über die Heftigkeit der jüdischen Protestbewegung. (Diese Ueberraschung der Regierung ist ein starkes Argument für die zionistische Opposition, die immer behauptet hat, daß Dr. Weizmann der englischen Regierung nicht 'das richtige Bild vom Zionismus vermittele.) Die Regierung berät jetzt über Maßnahmen, um den Eindruck des Weißbuches abzuschwächen. Sie hat zunächst in verblüffendem Widerspruch zu den scharfen Formulierungen des Weißbuches betreffend die Notwendigkeit vorläufiger Einstellung der Immigration, 1500 Einwanderungszertifikate ausgegeben. Sie ist zu neuen Verhandlungen bereit und versichert in zahlreichen Interviews, daß man ihre guten Absichten mißverstanden habe. Es liegt kein Grund vor, besonders optimistisch zu sein, und es ist kaum anzunehmen, daß die Regierung sich plötzlich wieder zu einem radikalen Kurswechsel entschließt. Der Verlauf der Palästinadebatte im Unterhaus am 17. November zeigt, daß von der jetzigen Regierung nichts Gutes zu erwarten ist. Andererseits ist jetzt die Möglichkeit gegeben, unsere Frage in neuer Beleuchtung aufzurollen, und es wird sehr viel davon abhängen, ob dies mit mehr Geschick geschieht, als in den verflossenen zehn Jahren. Faktoren der äußeren Politik, die hier im einzelnen nicht dargestellt ' werden können, werden dabei eine bedeutsame Rolle spielen. Es ist sehr fraglich, ob die Arbeiterregierung noch längere Zeit am Ruder bleibt. Sie kann schon in diesen Wochen fallen und ganz gewiß wird sie das Frühjahr nicht überleben. Die indische Bewegung und die von England inszenierte mohammedanische Bewegung — die ein Gegengewicht gegen Indien schaffen sollte, vielleicht aber gerade das entgegengesetzte Resultat erzielen wird — sind zur Zeit nicht unwichtige Faktoren im politischen Spiel. Die wichtigste politische Aufgabe für uns ist die Beseitigung der jetzigen Palästina-Administration, -die sich auf der antizionistischen! und pro arabischen Linie völlig festgefahren hat. Obgleich der High Commissioner das Weißbuch in seinen Einzelheiten nicht kannte, entspricht es doch durchaus seiner politischen Auffassung, und die übrige Beamtenschaft Palästinas ist heute durchweg antizionistisch. Darum hat keine beschwichtigende Regierungsmaßnahme bleibenden Wert, solange sie nicht von einem Personen- und Systemwechsel in Palästina begleitet ist. Ob ein solcher Wechsel eintritt, wird künftig die Frage entscheiden, ob wir wirklich politische Erfolge errungen haben. Die Judenheit muß vorläufig in starkem und würdigem Protest gegen Englands Wortbruch verharren. Die Arbeit in Palästina muß fortgesetzt werden, aber sie braucht ein neues politisches Fundament. (Daneben auch ein neues wirtschaftliches Programm. Der bloße Appell zum Geldgeben genügt nicht.) Sonst kann das Vertrauen nicht zurückkehren, an dem es 18