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Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 18)
Language
German
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tischen Resultate bringen, sondern nur die Stoßkraft des Zionismus lähmen werde. Darauf antworteten ihrerseits die Weizmannianer, daß die politischen Gefahren übertrieben würden, daß alles nur auf die eigene wirtschaftliche Leistung ankäme, und daß die Resultate der Bündnispolitik zwar langsamer als erwartet, aber eines Tages doch sichtbar werden würden. Nachdem die Diskussion sich so einige Jahre im Kreise bewegt hatte, brachen die Unruhen in Palästina aus, die nicht nur die Schutzlosigkeit der Bevölkerung, sondern auch die Feindseligkeit der Verwaltung enthüllten. Auf die Feststellung zahlreicher Zionisten, daß offenbar doch die Revisionisten Recht gehabt hätten, erfolgte seitens der Weizmannianer zunächst der nicht weiter zu charakterisierende Versuch, den Revisionismus zum Urheber der Pogrome zu machen, Es begann ein literarischer Generalangriff gegen den jüdischen Chauvinismus und Militarismus, der angeblich die so erwünschte Verständigung mit den Arabern verhindert habe. Dieser Versuch, die Schuld auf den Revisionismus zu wälzen, scheiterte freilich angesichts der Wucht der Tatsachen. Die Juden ließen sich nicht einreden, daß der Revisionismus die Spannung zwischen Juden und Arabern, sowie das feindliche Verhalten der Regierung hervorgerufen habe. Die Weizmannianer zogen sich daher von dieser Anschuldigung auf ein anderes Gebiet zurück und sprachen von tragischer Verkettung der Umstände, ja sogar von Unterlassungssünden der Leitung und der Notwendigkeit der Revision unserer politischen Zielsetzung. Dr. Weizmann selbst nahm in diesen Fragen einen sehr unklaren und schwankenden Standpunkt ein. Bald wandte er sich gegen den Brith Schalom und die Verstiegenheiten der „Jüdischen Rundschau", bald verteidigte er mit seiner eignen politischen Grundlinie auch;den deutschen Zionismus, um schließlich auf der vorletzten Sitzung des Aktions-Komitees sogar den Judenstaatsgedanken in einer Aufsehen erregenden Weise abzulehnen. Gleichzeitig machte er sich anheischig, die politische Lage entscheidend zu ändern und ein zweites San Remo herbeizuführen. Nach den Pogromen in Palästina erklärte er, daß nun die Zeit gekommen sei, aus dem Weißbuch der Regierung vom Jahre 1922 ein Blau- Weißbuch zu machen. In diesem Bestreben wurde Dr. Weizmann von seinen Anhängern ermutigt und unterstützt, während die Revisionisten erklärten, daß sie zu der längst kompromittierten Führerschaft kein Vertrauen haben könnten. Ihnen trat Dr. Weizmann mit der Erklärung entgegen, daß der Weg zu einer Systemänderung „nur über seine Leiche" gehe. — Wiederum erlitt seine Politik die schwerste Niederlage. An Stelle des Blau- Weißbuches erhielten wir das Weißbuch des Oktober 1930. Natürlich ging die dialektische Diskussion der Anhänger und Gegner des „Systems" in der gleichen Art weiter. Der neuerliche Mißerfolg Weizmanns wurde von seinen Anhängern als das Ergebnis eines Abweichens von seiner früheren klugen und vorsichtigen Politik gedeutet, während die Opposition darin nur wiederum „typische" Fehler der Weizmannschen Politik erblicken konnte, die von jeher auf Selbsttäuschung und falscher Einschätzung der politischen Möglichkeiten beruhte. Selbstverständlich will die Opposition es sich nicht gefallen lassen, daß durch einen Trick die Politik Dr. Weizmanns, weil sie keinen Erfolg hatte, sondern zu Katastrophen führte, die ihn dann zu hef- 16

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