Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1930-11-01 · Heft 10-11 (November 1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 10-11 (November 1930)
Date
1930-11-01
Page
[Seite] (sequence 17)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3537599-3537812-3537819--7789-3545837
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Um so betrüblicher ist die Feststellung, daß die Leserzahl der deutschen Ausgabe des „Dawar" heute noch immer so klein ist, daß das Weitererscheinen dieses Blatte® in Frage gestellt ist. Wenige 100 Leser mehr und die Existenz wird für die Dauer gesichert sein. Wer Informationen über Erez Israel als Notwendigkeit empfindet, sollte den ,.Dawar" abonnieren, um neben der Rundschau ein interessantes, gut informierendes sachliches Organ zu haben, das zudem nicht allzu teuer und bei einem Preis von 1,— RM pro Monat auch für Aktive erschwinglich ist. Nadi der Sitzung des Aktionskomitees Von Richard Lichtheim. Die Sitzung des Aktions-Komitees in London hat keine besonderen Ueberraschungen gebracht und den Teilnehmern im wesentlichen nur bestätigt, was sie schon vorher wußten. Die innere und äußere Lage des Zionismus ist zur Zeit recht ungeklärt, dürfte aber in den nächsten Monaten eine Klärung erfahren. Innerzionistisch wird der Kongreß, der im Februar stattfindet (voraussichtlich in Karlsbad), die notwendige Entscheidung darüber bringen, wer künftig die Politik des Zionismus bestimmen und was aus der zionistischen Organisation werden soll. Bis dahin wird der Meinungskampf im Zionismus weiter gehen und die bekannten Argumente der verschiedenen Gruppen werden miteinander ringen. Es erscheint mir eigentlich nicht als eine reizvolle Aufgabe, diese an und für sioh notwendige Diskussion im Rahmen de® K.J.V. und im J.St. wieder aufzunehmen. In unseren Kreisen ist leider die politische Diskussion seit langem zum dialektischen Fechterkunststück geworden, dem die überwiegende Mehrheit der Bundesbrüder nur mit recht mattem Interesse zusieht. Nun läßt sich aber Politik nicht dialektisch behandeln. Sie muß vielmehr aus Wissen, Einsicht, Instinkt herauswachsen. Im K.J.V. spielt sich die Diskussion seit langem etwa folgendermaßen ab: Die Opposition erklärt seit Jahren, daß das Weizmannsche System nichts tauge, weil es die wichtigsten Voraussetzungen des Palästinaaufbaues — Schutz und Kolonisationsregime — vernachlässige und die zionistische Organisation zerstöre. Hierauf antworten die Weizmannianer, daß dieses System das allein richtige sei, weil es zunächst durch Erlangung wirtschaftlicher Positionen im Lande die Voraussetzung für die Erreichung weiterer politischer Erfolge schaffen wolle und durch die „Bündnispolitik" die zionistische Organisation gerade stärke. Darauf erwiderte wiederum die Opposition, daß wirtschaftliche Tätigkeit zwar jederzeit notwendig sei, daß aber die Durchführung umfassender Kolonisationspläne unter dem Mandat die freundschaftliche Kooperation mit der Mandatarmacht voraussetzt, daß es politisch gefährlich sei, einen unbefriedigenden Zustand ständig als befriedigend hinzustellen und daß die „Bündnispolitik" nicht die erhofften prak- 15

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.