Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 10-11 (November 1930)
- Date
- 1930-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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In den letzten Jahren ist das Trennende zwischen Revisionisten und Radikalen weniger stark in Erscheinung getreten, weil durch die Verhältnisse Probleme im Vordergrund der Diskussion standen, die eine ziemlich weitgehende Uebereinstimmung der politischen Meinung mit sich bringen mußten. Wir haben vieles gemeinsam bei der Definition des zionistischen Zieles und bei der Beurteilung der politischen Lage in Palästina. Wir sind einig in unserer Stellung zur Weizmann'schen Führung und zum Brith Schalom; auch in der grundsätzlichen Beurteilung der Jewish Agency gehen wir konform. Aber es gibt Fragen, die sich einerseits auf wirtschaftliche und andererseits auf grundsätzliche, Nation und Staat betreffende Dinge beziehen, und in diesen' bestehen weitgehende Divergenzen. Aber auch in Fragen, in denen scheinbar eine Uebereinstimmung herrscht, sind für den Kenner der Verhältnisse starke Unterschiede zu konstatieren, wobei wir ganz unberücksichtigt lassen wollen, daß Parteien und Gruppen nicht nur durch Programme, sondern in hohem Maße durch Menschen, die die Träger dieser Programme sind, charakterisiert werden. Wie verschieden die Reaktion der beiden Gruppen auf bestimmte politische Situationen ist, mögen folgende Beispiele erläutern: Jewish Agency: Mit den Revisionisten sind wir uns einig in der Beurteilung der Gefahren, die dem Zionismus durch die Jewish Agency erwachsen. Dennoch führen wir den Kampf innerhalb der Jewish Agency, da sie (gegen unseren Willen) im Augenblick die einzige Körperschaft ist, der die Führung des Aufbauwerkes in Palästina obliegt. Nur in der Jewish Agency kann der Kampf um die Wahrung des zionistischen Charakters des Palästinawerkes geführt werden. Die Revisionisten führen einen praktisch bedeutungslosen Kampf, da er sich außerhalb der Jewish Agency abspielt. Exekutive: Auf der Revisionisten-Konferenz in Prag wurde eine selbständige politische Exekutive gewählt, die mit der Vollmacht ausgestattet wurde, in politischen Fragen selbständig einzugreifen. Die Radikalen dagegen erkennen nur die vom Kongreß, also der ganzen Bewegung, gewählte Exekutive an, weil wir der Meinung sind, daß die von uns bekämpfte Politik nur zu verbessern ist durch Beseitigung eben dieser Exekutive, nicht aber durch Schaffung einer parallelen, die eine Splitterpartei repräsentiert, mit keiner Autorität ausgestattet ist und nach außen die Bewegung nur schwächen kann. Ein wesentlicher Unterschied zwischen uns und den Rivisionisten besteht noch darin, daß wir eine Spielerei mit dem Gedanken des Austritts aus der Bewegung auf das schärfste ablehnen, denn wir glauben an eine Belebung und Kräftigung der Organisation nur in und mit der Organisation, aber niemals außerhalb der Organisation. Wir betätigen uns in jeder Galutharbeit, die für uns ein integrierender Bestandteil des Zionismus ist, weil es unmöglich ist, das Galuthjudentum sich selbst zu überlassen. Durch das Galuthjudentum wird Palästina aufgebaut. Die Revisionisten stehen der Galutharbeit desinteressiert gegenüber und sind auch in ihrer Ideologie einseitig palästinozentrisch eingestellt. 5