Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 41)
- Language
- German
- Belongs to
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als Zentrum für das darbot, was sie trotz aller Ungunst von Zeit und Entwicklung noch nicht verloren hatten: die Hoffnung auf die Verwirklichung ihrer Sendung als theophorisches Volk, jene Sendung, die mit der Idee der Auserwähltheit unlösbar verkoppelt ist, die ihnen in aller Prägnanz die Prophetie des babylonischen Exils aufgewiesen hat und um deren Realisierung sie so gut gegen Griechenland wie gegen Rom gekämpft haben. Und was immer den Schwingungen ihres Daseins von der Höhe zur Tiefe und wieder hinauf zu einer neuen Höhe die Spannung gegeben hat: das Sich-Bemühen um die Erfüllung des göttlichen Auftrages und das Versagen vor diesem Auftrag und wieder das neue Bemühen — das brennt zu einem Erlebnis auf mit dem Richtungssinn auf diesen Messias, der kein Messias ist, weil ihm die Kraft fehlt, selber der erfüllende, jasagende Mensch zu sein. Er hat nur immer zu sich selbst ja gesagt; nicht zu seinem Amt und Auftrag. Darum konnte er kein echter Führer sein. Der echte Führer trägt den Glauben derer, die ihm folgen wollen. Sabbatai wollte immer von Gläubigen getragen sein. So zerbrach er; so zerbrach die Bewegung. Er trat zum Islam über und starb in der Verbannung. Seine Anhänger wurden Sektirer und erstickten in Halbheit und unfruchtbarer Mystik. Ich habe mich bei der Darstellung sowohl an die historischen wie an die nichthistorischen Quellen gehalten, weil ich glaube, daß oft eine Anekdote, eine Legende, eine Volkserzählung Sinn und Inhalt eines geschichtlichen Vorganges weit tiefer und präziser umschreiben als der sachliche Bericht. Schließlich kam es mir ja auch nicht nur auf die mechanisch exakte Rekonstruktion von Vorgängen an, sondern auf die Belebung eines Tatbestandes, von dem ich glaube, daß seine Aktualität noch längst nicht erschöpft sei. Daß ich mich überhaupt um diese Dinge bemühe und im nächsten Buche („Eine Geschichte der Juden") weiter bemühen werde, liegt auf dem Wege der Pflichterfüllung gegenüber der jüdischen Gemeinschaft, wie ich sie verstehe und erlebe. Ascona-Moscia (Tessin), September 1930. Bemerkungen Unsere Zeitschrift Der J.St. hat neue Formen erhalten. Es war ein Versuch. Wir erhalten Zustimmungen. Auch Kritik wird geübt, jedoch nur in Gesprächen oder bei Ibundesbrüderlichen Veranstaltungen. Wir begrüßen diese Kritik, erwarten aber, daß die Kritiker ihre Kritik für den J.St. niederschreiben. Denn der Sinn der Zeitschrift ist Auseinandersetzung. Wir hoffen, daß dieser Appell dazu führt, daß das nächste Heft diese kritischen Aeußerungen enthält. Jeder Bundesbruder muß sich an der Ausgestaltung des J.St. beteiligen. Die Redaktion. 39