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Der jüdische Student · 1930-10-01 · Heft 9 (Oktober 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 9 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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bisherigen Arbeiten auf diesem Gebiete bei der Gemeinde zentralisieren, ohne die Organisationen auszuschalten, die diese Arbeiten bisher machten, — sondern vor allem will ich zwei andere Dinge: 1. eine Organisierung der Jüdischen Studentenschaft und 2. ihre Politisierung. Organisierung bedeutet zunächst ihre statistische Erfassung. Wir haben bereits eine fast vollständige Kartothek aller 2000 jüdischen Studenten Berlins. Da wir in Verbindung mit den Hochschulbehörden stehen und sogar schon als die offizielle Vertretung der jüdischen Studenten anerkannt sind, stehen uns auch alle Auskünfte der Universität und der Hochschulen zur Verfügung. Politisierung heißt für mich Erziehung zur Jüdischen Gemeinde, Beteiligung an den wesentlichen Fragen der Judenheit. Das, was jetzt die Korporationen nach verschiedenen Partei-Gesichtspunkten vielleicht einem Fünftel der Studenten angedeihen lassen, will ich auf möglichst alle Kommilitonen ausdehnen." — „Wir haben Aehnliches schon früher versucht und auch Besprechungen mit den Vertretern anderer Korporationen gehabt. Aber unsere Bemühungen sind immer wieder gescheitert, z. B. am Widerstand des K.C. Vielleicht werden auch deine Bemühungen scheitern." — Prinz: „Aber das .Jüdische Studentenwerk' ist bereits eine Tatsache. Wir stehen im Begriff, eine Wohnung, vielleicht ein Haus zu mieten. Dort wird ein Lesesaal, eine Sprechstunde sein. Die Mensa werden wir dorthin verlegen. Wir haben bereits im Sekretariat, das die Kartothek bearbeitet, Propaganda vorbereitet. Wir haben einen Verwaltungsausschuß, dem auch du die Ehre hast, anzugehören, und sehr viele Hilfsorganisationen und Wohlfahrtsausschüsse, z. B. auch die Berliner Logen, haben ihre Zustimmung zu unserer Arbeit erklärt." — „Aber es wird doch hier, wie überall, auf die wirkliche Arbeit zuverlässiger Mitarbeiter ankommen." — Prinz: „Ganz gewiß! Ich rechne auf die Mitarbeit der korporierten Studenten, ganz besonders auf die Mitarbeit des K.J.V. Glaubst du, daß ich mich auf die Bundesbrüder verlassen kann?" — „Ich glaube, daran kann kein Zweifel sein. Ich sagte dir schon, daß wir früher schon Aehnliches versucht haben. Damals, vor etwa anderthalb Jahren, bemühte sich unser Bbr, Halitzki darum, aus dem Kreise der korporierten Studenten heraus und im Anschluß an die Hilfsarbeit der Zentral- Wohlfahrtsstelle einen Ausschuß für kulturelle Arbeit unter den jüdischen Studenten zu bilden. Damals freilich scheiterte dieses schon bei den ersten Besprechungen. Aber das »Studentenwerk* ist unsere ureigenste Angelegenheit. Nicht nur, daß wir hierbei an den denkbar größten Kreis der Berliner jüdischen Studentenschaft herankommen und unsere Keilarbeit vervielfachen können (und unsere Arbeit ist ihrem inneren Wesen nach wirkungsvoller als die der anderen), sondern es erscheint uns durchaus auch als zionistische Arbeit, was du unternimmst, zum mindesten als eine der wesentlichsten Galutharbeiten für Zionisten." — 36

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