Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 37)
- Language
- German
- Belongs to
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Palästinawillens zu vernachlässigen. Das Kartell wird vorbereitet, um im Augenblick, in dem eine stärkere Immigration deutscher Juden in Palästina möglich wird, das Hauptreservoir dieser Alijah zu sein____" „.... Neben den Erscheinungen eines petrefakten deutsch-jüdischen Liberalismus zeigt sich heute in dem politischen Leben der jüdischen Jugend Deutschlands ein ähnlicher Prozeß, wie er vor der Entstehung des modernen Nationaljudentums vor sich ging. An Stelle der fremdnationalen Betätigung der damaligen jüdischen Studentenschaft ist ihre Betätigung in den sozialen Bewegungen der Gegenwart getreten, aber man kann auch hier schon sehen, wie sie den Kontakt mit den Bewegungen verliert, politisch zurückgedrängt wird, aber in ideologischer Beharrung die Entwicklung überlebt und eines Tages genau so im Sozialismus isoliert sein wird, wie es eine frühere Generation in der deutschen nationalen Studentenschaft gewesen ist. Die große Aufgabe jeder akademischen Jugend ist eben der Dienst am eigenen Volk. Aus der Geschichte der Befreiung der anderen Völker und aus der Rolle, die dabei die Studentenschaften dieser Völker gespielt haben, ergibt sich für den jüdischen Akademiker die große Aufgabe seines Standes — die nationale Befreiung des jüdischen Volkes. Die geistigen, moralischen und physischen Kräfte, die er dieser Aufgabe widmet, wird das befreite jüdische Volk der Menschheit vervielfältigt wiedergeben, und hier wird Dienst am eigenen Volk — Dienst an der Menschheit. Erhöhung des eigenen Volkes — Erhöhung der eigenen Ehre." * Das Studentenwerk der Jüdischen Gemeinde Berlin Ein Interview mit Bbr. Rabbiner Dr. Prinz „Wie kamst du denn eigentlich zu dieser Sache?" — Prinz: „In einer Sitzung des .Sozialen Ausschusses des Allgemeinen Deutschen Rabbinerverbandes* sprach ich innerhalb der Diskussion über die jüdische Studentenschaft in Berlin, die jetzt zersplittert, ohne Bedeutung für die Gemeinde oder die jüdische Gesamtheit ist und sich zu einem großen Teil in Not befindet. Ich denke hierbei nicht nur an ihre leibliche Not, sondern auch an ihre seelische. — Ich meine, daß die meisten jüdischen Studenten in Berlin an jüdischen Dingen völlig uninteressiert sind. Und hierfür schlug ich als Lösung das .Studentenwerk' vor. Diese Diskussionsrede hörte Herr K a r e s k i, erwärmte sich sofort für den Gedanken und ermächtigte mich, einen Plan auszuarbeiten und ihn mit den Mitteln der Gemeinde durchzuführen." — „Aber es gibt doch schon eine .Jüdische Studentenhilfe', und zwar sowohl einen Ausschuß bei der Zentral-Wohlfahrtsstelle, wie auch beim Wohlfahrtsamt der Berliner Gemeinde." — Prinz : „Nein, was ich will, ist etwas anderes, ist der Versuch einer großzügigen Lösung des gesamten Problems der Jüdischen Studentenschaft. Ich will nicht nur die sozialen Aufgaben, wie Stipendienwesen, Mensa, Arbeitsvermittlung, Wohnungsnachweis, möglichst restlos durchführen und zentralisieren; — wir werden alle 35