Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Eingedenk des Wortes: wenn Erez unser ist, ist auch jedes Land, das wir bewohnen, unser, können wir die zionistische Verbindung also als einen im jüdischen Leben fruchtbaren Faktor ansehen, „mit dem allein es wohl nicht ginge, mit dem zusammen es aber gewiß besser geht", eine Gemeinschaft, deren Kern modern ist, deren Schale romantisch wie die Fahne, mit der sie ihre Menschen führt. * * * Nachbemerkung der Redaktion: Die vorstehenden. Ausführungen sind ein interessanter Beitrag zur Frage unserer Verbindungsformen, die ja auch bei uns vielfach diskutiert wird. Das Kartell hat sich in dieser Frage entwickelt, es hat einen Schritt vorwärts gemacht, und so mag manches in vorstehendem Artikel uns überholt erscheinen. Als unseren Beitrag zu dieser Frage geben wir nachstehend einen Auszug aus einem Artikel „Das K.J.V. als zionistischer Faktor" von Bbr. Egon Rosenberg wieder, den er für das Sammelheft „Hechawer", das unsere Rigaer Verbindung herausgegeben hat, geschrieben hat. Wir werden auf die Sammelschrift im nächsten Heft ausführlich zurückkommen. * * * „... In dieser Situation bot sich den jüdischen Studenten die neue nationaljüdische Bewegung, gestützt auf das idealistische Rüstzeug des europäischen Liberalismus, und auf eine Ideologie, die der Ideologie der anderen Nationalismen ähnelte, fanden sie hier eine nationale Idee, die ihnen Rechtens gehörte, und diese Idee des stolzen, freien, nationalen Juden nahm von ihnen Besitz. Es war aus dem Geist der Zeit selbstverständlich, daß man die äußere Form der deutschen Studentenorganisationen beibehielt, und daß man versuchte, auf dem Felde der deutschen studentischen Betätigung die Anerkennung der judenfeindlichen Umgebung zu erzwingen. Daher die Nachahmung der hauptsächlichsten studentischen Sitten, die straffe studentische Disziplin, die Erziehung zur Mannhaftigkeit durch Wehrhaftigkeit. Das studentische Duellwesen bot Gelegenheit, zu zeigen, daß Juden an Mut, Geschicklichkeit und Kraft — Sport gab es damals noch nicht — den anderen zum mindesten gleichwertig sind. Der Beweis gelang und hatte nicht wenig Einfluß auf die Entwicklung des jüdischen Selbstbewußtseins, sogar in der dem Zionismus feindlichen älteren Generation. Die Juden waren meistens glänzende Fechter, mutige Draufgänger, setzten sie doch außer persönlichem Ehrgeiz ihren jungen Nationalstolz in diesen Kämpfen ein. Als später die Deutschnationale Studentenschaft beschloß, Juden keine Satisfaktion mit den Waffen mehr zu geben, war dieser Beschluß nicht nur von nationalistischer Ueberheblichkeit diktiert, sondern auch von den blutigen Erfahrungen, die die germanischen Heldensöhne in den Mensuren mit den mißachteten Judenjungen gesammelt hatten. Noch hatte das Nationaljudentum keine eigenen Lebensformen gefunden und erfüllte die fremden Formen mit seinem jüdischen Ideeninhalt. Der heutigen Generation mag und muß die jüdische Vorstellungswelt jener Zeit vielleicht absurd, sicher unjüdisch erscheinen. Im nationalen jüdischen Gedankenbau war auch das Palästina-Ideal noch stark mit un- 33