Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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Zur Ideologie der zionistischen Korporation Von Israel Stein (V.J.St. Jordania, Basel). Gemäß den Beschlüssen des Kartelltages hat das Präsidium mit der Jüdischen Akademischen Verbindung Jordania in Basel im Sommer ein Freundschaftsabkommen geschlossen. Die Bbr. Bbr. Schloß, Sommerfeld und Lindner waren zur feierlichen Unterzeichnung des Abkommens in BaseL Was sie bei dieser Gelegenheit von der Verbindung und insbesondere von den korporativen Formen des Gemeinschaftslebens gesehen haben, hat uns veranlaßt, die „Jordania" um eine Darlegung ihrer korporativen Grundsätze für den J.St. zu bitten. Die nachfolgenden Ausführungen von Israel Stein sind wegen ihrer im K.J.V. aus der Mode gekommenen Einstellung zur Frage des Korporativen von ganz besonderem Interesse. Die Redaktion* Als eigenartige und umstrittene Erscheinung nationalen Zusammenschlusses in der jüdischen Akademikerschaft ist seit fast 35 Jahren die Korporation bekannt. Für die, welche daran unmittelbar beteiligt sind, besteht der begreifliche Reiz, diese ihre Organisationsform verstehen und beurteilen zu suchen, verstehen in ihrer Besonderheit und ihrem Zusammenhang im Gang der Entwicklung, beurteilen vom Standpunkt der jüdischen Renaissance aus, die hier ja als oberste Norm jeglicher Beurteilung zu gelten hat. In diesem Sinne sind die nachfolgenden Ausführungen geschrieben. Die ersten Gründungen jüdischer Korporationen (z. B. Wien) sind trotz ihres nationalen Charakters (den zu tragen sie doch wenigstens beabsichtigten) rückschauend wohl nur als Wellen einer damals noch nicht ganz beruhigten Assimilationsbewegung zu deuten. Die jüdische Akademikerschaft, mit in der Vorhut der forcierten Modernisierung schreitend, sah sich in jener heroischen Periode nach einer Form nationaler Bindung um und übernahm sie von der Umgebung mit allem andern, was übernommen wurde. Die nun in der zionistischen Bewegung folgende Periode der Besinnung auf die Wirklichkeit, das Anknüpfen an den eigenen nationalen Inhalt, das Anbahnen lebendiger Beziehungen zu Erez Israel machte auch die jüdische Verbindung mit: Ansätze, wenn auch noch nicht zu einer Hebraisierung, so möchte man doch sagen, zu einer gewissen „Judaisierung" werden bemerkbar, und späterhin schließen sich Versuche an, in die Schicksale Palästinas h aktiv und unmittelbar einzugreifen. Die Nachkriegszeit bringt eine verstärkte Berücksichtigung des Galuthjudentums neben seinem palästinensischen Zentrum (Minderheitenrechte), und gerade in diesem Sinne sind die zahlreichen Gründungen in Osteuropa zu verstehen, die sich als auf Erez orientierte, jedoch im Galuth auf lange Sicht begründete nationale Potenzen etablieren. 27