Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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Organisation die Einzel Verbindung ist, glaube ich doch, daß esnotwendig wäre, das Bewußtsein der Verantwortlichkeit für das Gesamt-Kartell in dem Einzelnen stärker zu entwickeln. Es ist bei uns leider so, daß man zufrieden ist, wenn man ein einigermaßen befriedigende© Semester in seinem Studiumort hinter sich hat, und es fehlt jedenfalls bei dem größten Teil unserer Menschen das Interesse und die Arbeitswilligkeit für die Gesamtheit des Kartells. Das zeigt sich z. B. auch bei der Ueb er Weisungsarbeit. Wenn man der Disziplin der Verbindung in den Heimatsorten während der Ferien entflohen ist, hält man es häufig nicht für nötig, den Weisungen, die nun vom Kartell aus an einen ergehen, Folge zu leisten und sich in der Wahl des Studienortes den Erfordernissen der Karteiiiarbeit unterzuordnen. Diesen Punkt habe ich bereits vorhin erörtert. Ein noch viel traurigeres Symptom der Uninteressiertheit im Gesamtkartell scheint mir der Verlauf unserer Kartelltage, wie sie bisher gewesen sind, zu sein. Kurz vor dem Kartelltag entbrennt eine Art Wahlkampf, in dem immer wieder dieselben Leute mit denselben Argumenten wie seit Jahren vor dem Kartell ihre Schlacht schlagen, und ich habe, ehrlich gesagt, das Gefühl, daß das Gros der Bundesbrüder an diesen Dingen gar keinen Anteil) nimmt. Das muß unter allen Umständen anders werden. Wir haben genug Schwierigkeiten und Probleme, und es ist selbstverständlich, daß die Meinungsdifferenzen, die sich in dieser Beziehung bilden, ausgetragen werden müssen. Aber, die Diskussion über diese Dinge darf nicht im letzten J.St. vor dem Kartelltag beginnen, sie darf nicht das Reservat einiger Weniger bleiben, deren Stellung man nun schon kennt, sondern sie muß, wenn sie überhaupt einen Sinn haben soll, Sache jedes Einzelnen sein und im J.St. zur Diskussion gestellt sein und wirklich von jedem als seine Angelegenheit empfunden werden. Solange das nicht der Fall ist, wird diese Diskussion sinnlos und wird es mit ihrer Wiederholung von Mal zu Mal mehr. Auf dem letzten Kartelltag hat sich gezeigt, daß die Aktivitas imstande ist, sich zusammenzufassen und richtunggebend auf den Weg des Kartells Einfluß zu nehmen. Es wäre sehr betrüblich, wenn dieser Weg, der einmal gegangen worden ist, verlassen wTürde und wenn man nicht die Konsequenzen aus ihm zöge, daß in Zukunft das Leben des Gesamtkartells und seine Frage zur persönlichen Frage jeder einzelnen Verbindung und jedes Einzelnen werden. Deshalb verlange ich, daß man diese Dinge auch vor dem Kartelltag vorbereitet und sich im J.St. damit beschäftigt. Man muß sich darüber klar sein, daß die Wirkung des Kartells als einer Zusammenfassung der zionistischen Akademikerschaft im Kampf für den Zionismus unbedingt abhängig davon ist, wie eng sich jeder Einzelne mit dem Gesamtorganismus, dessen Glied er ist, verbunden fühlt. Nur wenn jeder dieses Gefühl der Verantwortung hat für seine Arbeit, die Arbeit der Verbindung und der Arbeit des Kartells, wenn er diese Arbeit, so kritisch er ihr in Einzelpunkten gegenüber stehen mag, im ganzen als sinnvoll bejaht, dann werden wir zu dem kommen, was uns letzten Endes als Ziel vorschwebt, zur Stellung einer führenden Kampfgruppe im Dienste des Zionismus. * 26