Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Wenn wir auf einer solchen Basis unsere sachliche Arbeit durchführen, dann können wir dem Einzelnen auch die Menschen bieten, in deren Kreisen er sich wohl fühlt. Alle Mittel, die zur Stärkung des persönlichen Zusammenhanges unter den Bundesbrüdern bestehen, müssen im Interesse der Arbeit angewandt werden. Sie werden verschieden sein, je nach dem Ort, und es wird leichter sein, in einer kleinen Universitätsstadt als in einer Großstadt, die durch ihre vielfachen Ablenkungen den Einzelnen mehr in Anspruch nimmt. Wenn wir aber von dem Einzelnen verlangen, daß er sich mit ganzer Kraft in unsere Arbeit einstellt, dann müssen wir ihm auch die Möglichkeit geben, hier einen Kreis von Menschen zu finden, in dem er sich wohl fühlt, Freunde zu gewinnen, mit denen er über das Sachliche hinaus auf das engste persönlich verbunden ist. Dann können wir mit Sicherheit sagen, daß die Opfer, die wir verlangen, in durchaus angemessenem Wert Verhältnis zu dem stehen, was wir unseren Bundesbrüdern im Kartell bieten können. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, als reife erzogene Menschen, mit einem Kreise von Bundesbrüdern verbunden, in dem sie sich wohlfühlen, im Kampf für eine Sache, für die es sich zu kämpfen lohnt, ihr Leben zu führen. IL Der natürliche Kreis, in dem sich das Leben des K.J.V.ers abspielen wird, ist die Verbindung, und sie wird immer eine ihrer wesentlichsten Aufgaben darin zu sehen haben, die Menschen, die sie umfaßt, auch über die rein sachliche Arbeit hinaus zu einem Kreis zusammenzuschließen. Dazu läßt sich naturgemäß im Rahmen eines solchen Referates nicht viel sagen. Es läßt sich nur immer wieder auf die gemeinschaftsbildende Wirkung von Sport, Fahrten und persönlichem Zusammensein der Bundesbrüder außerhalb der Verbindungsveranstaltungen hinweisen. Leibverhältnis und Leibfamilie bilden gleichfalls ein Mittel, das zu diesem Zweck durchaus geeignet ist, und man sollte auch dort, wo man vielleicht der korporativen Ausgestaltung des Verbindungslebens sonst kritisch gegenüber steht, diese oder ähnliche Verhältnisse schaffen, weil der ihnen zugrunde liegende Gedanke des Anschlusses von jüngeren an die Aelteren eines der besten Mittel ist, das wir zur Bildung eines Kreises von aufeinander eingestellten Menschen haben. Die Arbeit in den Verbindungen kann aber nur dann durchgeführt werden, und hier möchte ich an das vorhin erwähnte Verantwortungsgefühl jedes Einzelnen appellieren, wenn man sich auch bereit findet, einmal Opfer für diese Arbeit zu bringen. Vor allem ist das notwendig bei der Ueberweisungsarbeit. Es hat sich bei der heute Vormittag erfolgten Besprechung der Arbeit des Ueberweisungsressorts wieder einmal! ergeben, daß überall Schwierigkeiten bestehen. Wir müssen in diesem Punkt unbedingt verlangen, daß der Einzelne diese persönlichen Wünsche hinter den Erfordernissen der Kartellarbeit zurücktreten läßt. Es ist unbedingt notwendig, daß man die Verbindungen nach den Erfordernissen der zionistischen Arbeit vom Präsidium aus besetzt, und die erste Pflicht jedes K.J.V.ers ist die. sich dort einsetzen zu lassen, wo er für die Arbeit gebraucht wird. Die sachliche Arbeit der Verbindung hat vor allen Dingen den Zweck, Menschen zu Zionisten zu erziehen und in ihnen neben der Kenntnis des 23