Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 9 (Oktober 1930)
- Date
- 1930-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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signation geschaffen. Das Kartell als Zusammenschluß zionistischer Akademiker ist ohne Zweifel von so großem Wert, daß es einfach nicht wegzudenken ist aus der deutschen zionistischen Organisation, und darum können wir uns ersparen, über seine Existenzberechtigung zu diskutieren. Wenn es je starke Bünde gegeben hat, so doch nur da, wo sich alle mit ihren ganzen persönlichen Zielen in die Richtung dieser Gruppen eingeordnet haben, wo persönliche Zukunft und Schicksal der Gesamtheit eine untrennbare Einheit gebildet haben. Nur so kann es eine starke Wirkung geben nach innen und nach außen. Jeder anderen Art versagt man die Achtung. Es ist ein Spiel von Feiertag und Werktag, von Wirklichkeit und Wunschträumen. Wir sind Zionisten. Wir brauchen uns hier nicht zu unterhalten über die große Richtung unseres Programms. Wir wissen, daß Erez Israel unser Schicksal ist und die Aufgabe unserer Generation, die Aufgabe, die uns unseren Weg befiehlt in allen unseren Schritten. Wir haben den Willen zur Wiederbelebung unseres zerfallenden Volkskörpers, wir kämpfen um die Rettung unserer Eigenart, die sich verlieren will. Wir stehen heute noch am Beginn der Verwirklichung. Was wir nur können, ist uns und unser Volk stark machen, damit es nicht zurückweicht vor der Eroberung des Landes, wie schwer sie auch werden mag, um seinen Willen zu stählen gegen alle Mopsis und Mutlosigkeit. Heute gelten diese Aufgaben, heute in Vorbereitung, morgen vielleicht schon in anderer Weise. Heute noch Kämpfer in der Wüste, morgen, morgen ist vielleicht ein echter Platz im Jischuw Haarez. Und jetzt sind wir noch hier in Deutschland. Meint ihr, daß es hier keine Aufgaben gäbe, so zwingender und dringender Art, daß man sich ihrer nicht unterziehen müßte? Meint ihr, daß ihr hier nicht Wirkungen schaffen könnt, die so stark sind, daß sie den Aufbau ermöglichen und ihn zur Auswirkung bringen können? Reicht auch das nicht, nun, so hört auf, Jura und Medizin, hört überhaupt auf zu studieren und sucht andere Berufe. Aber verlangt nicht Unmögliches. Dieser Kreis des Kartells hat Aufgaben, große und ernste, auch jetzt und im Augenblick zu erfüllen, die uns die Kraft und die Spannung geben können, die allein unsere Menschen fruchtbar machen werden. Heute diese, morgen vielleicht andere, palästinensischere. Was wir heute wollen, ist ein geschlossener Kreis der Juden in Deutschland mit dem Anschluß an Palästina, mit jüdischen Inhalten und Formen, mit jüdischen Schulen, mit hebräischen Sprachkenntnissen, mit jüdischem Willen und mit dem Bewußtsein der Verbundenheit mit dem ganzen jüdischen Volke. Wenn wir das ernsthaft wollen, was lebt denn schon davon? Glaubt ihr nicht, daß jüdische Kinder, groß geworden in jüdischen Schulen, die hebräisch sprechen können, wie es ja heute schon in Polen und in Litauen der Fall ist, erzogen zu einem jüdischen Willen, nicht einen breiteren Nachwuchs darstellen für unser Land als die heutige Jugend. Glaubt ihr nicht, daß ein organisiertes bewußtes Judentum hier in der Galuth eine Resonanz und einen Kraftstrom für Erez Israel darstellt, daß es ein Bollwerk sein wird gegen die Assimilation, wie es noch keines 20