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Der jüdische Student · 1930-10-01 · Heft 9 (Oktober 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 9 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 21)
Language
German
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dem Zerfallsprozeß, dem die alten parlamentarischen Parteien jetzt ausgesetzt sind, die Umrisse der neuen Gruppenbildungen mit genügender Deutlichkeit abheben, Ueber diese neuen Parteigebilde werden wir uns dann einmal bei anderer Gelegenheit unterhalten müssen. * Vom Camp a) Aus dem Referat von Hans Anton Wolff Man klagt über Langeweile im Kartell. Mangel an Aktivität. Immer wieder gibt es die Frage nach der Umgestaltung des K.J.V. zu einem zionistisch aktiven Kreis. Alle Forderungen, und sie waren alle gut und mehr noch notwendig, die laut wurden, haben wir akzeptiert. Hebräisch, Jugendarbeit, Arbeit in der Organisation, Politisierung, eine uns entsprechende Art für Chaluziuth u. a. In Wahrheit gab es keinen Streit um sie, jeder klammerte sich an seine spezielle und erhoffte von ihr die Erneuerung. Unsere Diskussionen gingen um Methoden, nicht um Inhalte. Trotz aller Postulate blieb das Kartell innerlich, wie es war. Keine dieser Forderungen hatte unsere Menschen zu erschüttern gewußt, hatte vermocht, sie aus den Bindungen ihres Milieus und ihres Berufes zu lösen und in die Gemeinschaft eines Bundes zu führen, dessen Leben und Existenz ihr Dasein bestimmte. Es gibt eine Reihe Analysen dieses Zustandes, man untersuchte die ökonomischen und psychologischen Bedingungen. Man hat nichts zu ändern vermocht. Wieso kommt es denn, daß trotz aller Versuche, daß trotz Hebräisch lernen, trotz Beschäftigung mit zionistischer Jugend, trotz Schülerbünden und anderer Arbeit noch die innere Spannung im Karteil fehlt? Alle unsere Kritiker und unsere Eiferer haben einen gemeinsamen Fehler: sie abstrahieren zu sehr vom Alltag des Einzelnen. Nicht so, daß ökonomische Tatsachen die erste Reihe hier spielten, nein, vielmehr, daß man die Relation zwischen einem Akademikerbund K.J.V. und einem Koloniallande Palästina außer Rechnung setzt. Wir tun so, als ob es in Wirklichkeit alle diese Schwierigkeiten nicht gebe. Wir halten es für klug, zu vergessen, daß es Juristen, Mediziner, kurz Akademiker sind, zu denen wir sprechen, und tun so, als ob es kein Problem sei um die Hachscharah unserer Menschen, weil einige wenige in diesem oder jenem Berufe eine Chance finden. Um dieser einzelnen willen tun wir so, als ob wir an die Absortionsfähigkeit des Landes für 2000 und mehr als 2000 K.J.V.er glauben. Wir wissen aber schon, daß sie nicht gehen werden, nicht weil sie nicht wollen, sondern weil es unmöglich ist, in großer Zahl in diesen Berufen überzusiedeln. Dieses Augenzumachen vor der Wirklichkeit unserer Situation hat jenen ungemütlichen Zustand von Augurenlächeln und Re- 19

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