Mannheim
Compact Memory

Der jüdische Student · 1930-10-01 · Heft 9 (Oktober 1930) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 9 (Oktober 1930)
Date
1930-10-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3537599-3537812-3537818--7731-3545778
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Gefühl ihres Wertes und das Bewußtsein der Unzerstörbarkeit lebendig ist, ist innerlich und äußerlich dem Ansturm des Antisemitismus gewachsen. 2. Absage an die bisher üblichen Abwehrmethoden und Abwehrformen, wo ungeheure Summen und ungeheure Kräfte eingesetzt werden, um den Nachweis zu führen, daß der Antisemitismus den Juden unrecht tut» Uns scheint, als seien 90 Prozent der in der „Abwehr" aufgewendeten Kräfte notwendig, um die deutschen Juden zu beruhigen, ihnen zu zeigen, daß etwas zu ihrem Schutz geschieht» Hätte das deutsche Judentum mehr innere Festigkeit, mehr Sicherheit, so bedurfte es dieses lärmenden Abwehrgetriebes nicht, und wir könnten zu einem würdigeren, zweckmäßigeren und nicht so kostspieligen System der Abwehr und des politischen Schutzes übergehen. 3. Heute kommt alles darauf an, die Stützpfeiler unseres Hauses zu stärken, damit es den Stürmen standhält. Alles, was der Befestigung jüdischer Positionen dient, dient gleichzeitig dem Schutz vor den Auswirkungen des Judenhasses. Wie tief das deutsche Judentum in falschen, veralteten Anschauungen befangen ist, beweist die Haltung einiger Wortführer der Assimilation, die aus den letzten Reichstagswahlen die Konsequenz ziehen, das Judentum müsse stärker aus seiner Isolierung heraustreten, in die deutsche Gesellschaft eindringen, um unsere Mitglieder von unseren Qualitäten zu überzeugen. Uns scheint die richtige Antwort zu sein, daß jetzt mehr denn je alles getan wird, um bedrohte jüdische Positionen zu retten, um überall helfend und fördernd einzugreifen, wo jüdischer Aufbau geleistet wird. Jüdische Selbsthilfe auf dem Gebiet der Wirtschaft, Schutz des bedrohten jüdischen Mittelstandes, jüdische Berufspolitik im Sinne der Produktivierung sind unabweisbare Forderungen» Normalisierung des jüdischen Volkes durch Aufbau eines autonomen Zentrums in Palästina, ist für die Dauer gesehen bessere Abwehrarbeit, als ein Meer von Flugblättern, 4. Abwehrarbeit ist zum großen Teil jüdische Erziehungsarbeit. Hinwendung des Juden zur Selbstbesinnung, zu einer Haltung, die ihn innerlich von der feindseligen Reaktion der Umwelt unabhängig macht, ist die erste Voraussetzung für das Bestehen des Kampfes. 5. Träger dieses Kampfes müssen Organe des Gesamtjudentums sein. Angegriffen ist das jüdische Volk in der ganzen Welt. Der Kampf muß geführt werden unter Betonung jüdischer Solidarität, auch über die L ä n d e r g r e n z e n hinaus. Die Schicksalsgemeinschaft der Juden ist niemals deutlicher geworden als in den letzten 20 Jahren, wo mit unheimlicher Präzision die Juden in der ganzen Welt parallele Entwicklungen durchmachten» Wer von Abwehr des Antisemitismus spricht und hier Programme aufstellt und Forderungen stellt, muß es in der Erkenntnis tun, daß es keine sicheren Mittel für die Eindämmung des Judenhasses gibt» Das Steigen und Fallen der Feindschaftswelle ist nicht vom jüdischen Wohlverhalten und jüdischen Programmen abhängig, sondern von wirtschaftlichen und geistigen Faktoren, auf die wir einen direkten Einfluß nicht 12

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.