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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 35)
Language
German
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Aristokratismus, sein Abscheu gegen Bequemlichkeit und bürgerliche Vergnügungen. Er selbst steht dem kategorischen Imperativ kritisch gegenüber, aber er kann das nur, weil er bei sich nicht den Konflikt zwischen Pflicht und Neigung kennt, der die Voraussetzung für diesen Imperativ bildet. Da er nun an andere dieselben Forderungen stellt wie an Sich, so stellt er für sie doch den kategorischen Imperativ auf und wird so nach seinem berühmten Vorbild der „Unbestechliche" der Revolution, und dann auch leicht der Unausstehliche. Man mag auch hierin jüdische Eigenschaften finden, aber mit Vorsicht! Ein zugleich schlagkräftiges und stichhaltiges Argument für die zionistische Propaganda läßt sich daraus nicht gewinnen. Vollkommen fehlgegriffen ist aber die. Behauptung, der intellektuelle Agitator habe kein Verständnis für die Bedürfnisse und die Kräfte des von Mystik umwehten russischen Bauern; alle Tatsachen widerlegen das. Trotzkis Ansicht dazu ist folgende: „Der Antisemitismus erhob das Haupt gleichzeitig mit dem Antitrotzkismus. Beide nähren sich aus der gleichen Quelle: der kleinbürgerlichen Reaktion gegen den Oktober.1* Diese Erklärung ist im Gründe genommen nur eine Zusammenfassung verschiedener Erscheinungen unter dem Oberbegriff Reaktion, das Epitheton „kleinbürgerlich" hat wohl nur den Sinn, daß von einer proletarischen Reaktion zu sprechen einigermaßen shocking wäre; wenn man nicht, wie es ja auch geschieht, einen unrevolutionären Lebensstil ohne materielle Basis kurzerhand als kleinbürgerlich bezeichnen will; nach dieser Definition ist auch der Proletarier von Natur ein Kleinbürger. Die Möglichkeit, daß der nach dem Einkommen klassifizierte Kleinbürger gemeint ist, wäre die nächstliegende, scheidet aber nach Lage der Dinge ohne weiteres aus. Man verliert überhaupt den Boden dieser hingehauenen Diagnose unter den Füßen und ertrinkt, wenn man ein ehrlicher Mensch ist, in einem Morast von Begriffsspielerei. Der Verfasser wird wahrscheinlich seiner Erklärung nur sehr nebensächlichen Wert beilegen; um so eher darf man behaupten, daß er eigentlich keine Erklärung hat. Vieles Aufschlußreiche sagt Trotzki über andere Themen, die uns auch sehr angehen. Es kann natürlich nicht Aufgabe einer Besprechung sein, seine lustigen Bemerkungen zu kolportieren oder seine nur ernsthaften durch verkürzte Wiedergabe zu banalisieren; wir können jedenfalls die meisten unterschreiben und werden auch die anderen schon deshalb beachten müssen, weil die Geschichte über den Fall Trotzki noch nicht das letzte Wort gesprochen hat. Das Camp in Hasselfelde Zum Abschluß dieses Sommersemesters veranstaltete das Präsidium wieder ein Camp. Die Götter mögen wissen, wie man gerade auf Hasselfelde gekommen ist, das, außer den organisierenden Präsidialmitgliedern, wahrscheinlich kein anderer K.J.V.er zuvor gekannt hat. Trotzdem erwies sich der Ort als sehr geeignet — nicht zuletzt wegen der guten Aufnahme und Unterstützung, die man bei Behörden und Einwohnerschaft fand. Eine er- 34

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