Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
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tieren, aber nicht einer, der nur widerwillig zu einer Partei geht, deren Angehörige „auch als Minister ihre marxistische Herkunft nicht vergessen und verleugnen". Pollack steht eben — wie so viele andere — unter dem Einflüsse einer „Verelendungspsychose". Er sieht die Proletarisierung der deutschen Juden bereits als eine Art vollzogener Tatsache an. Dabei steht noch keineswegs fest, ob die wirtschaftliche Entwicklung wirklich der von ihm angenommenen Richtung und im Sinne einer systematischen Ausschaltung der Juden verläuft, und ob die in zwei Jahrtausenden der Diaspora erworbene Elastizität eine solche Ausschaltung überhaupt als möglich erscheinen läßt. Es geht jedenfalls nicht an, aus einer Wirtschaftskrise, deren Charakter und Bedeutung im System der europäischen Wirtschaft noch gar nicht abzuschätzen ist, gleich so weitgehende Folgerungen zu ziehen, wie Pollack es tut. Pollack hält die SPD. für die einzige Partei, die wir wählen können. Ich halte diese einseitige Parteilichkeit für sachlich und taktisch falsch. Sachlich; weil das deutsche Judentum weder schon genügend proletarisiert ist, noch die Absicht hat, sich einfach proletarisieren zu lassen. Taktisch: weil das System der „Querverbindungen" der Hingabe an eine einzige Partei vorzuziehen ist. Ob die Deutsche Volkspartei mit den Nationalsozialisten in eine Regierung gehen werden, wird die Zukunft lehren. Wenn aber nicht — warum sollten dann bürgerlich eingestellte Juden nicht volksparteilich wählen? — und warum sollte die Volkspartei in einem solchen Falle nicht den einen oder anderen Juden kandidieren lassen? Weiter: es werden dieses Mal viele — besonders orthodoxe — Juden Zentrum wählen. Ist es so absurd anzunehmen, daß das Zentrum einmal einen orthodoxen Juden kandidieren lassen wird? — jedenfalls so absurd, daß uns dieser Gedanke nicht einmal im Traum kommen könnte? So einfach, wie Pollack die Dinge darstellt, sind sie also nu~ für ihn. Und bevor man sich der SPD. mit Haut und Haar verschreibt, sollte man sich reiflich überlegen, ob es nicht möglich und besser ist, auch auf die Parteien de® „besitz-bürgerlichen Klasseninteresses" Einfluß zu gewinnen. Schloß. Trotzki; Mein Leben Von Heinz Rose n z w e i g (Ruder V. J.St. a. B.). „Verhandelt: In Sachen des Bürgers Trotzki, Lew Dawidowitsch, nach Art. 58/10 der Strafgesetzordnung wegen der Anschuldigung, sich mit konterrevolutionärer Arbeit befaßt zu haben. Beschlossen: Den Bürger Trotzki, Lew Dawidowitsch, aus den Grenzen der USSR. auszuweisen." Mit diesem Akt der GPU. -endet vorläufig das Wirken eines Mannes, der die Geschichte der Gegenwart entscheidend beeinflußt hat. Daher darf seine Lebensbeschreibung, die er jetzt in seiner unfreiwilligen Muße ge- 27