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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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regierung von Hitlers Gnaden mitzumachen? Weder der Hansa-Bund, noch Koch-Wesers industrielle und finanzkapitalistische Mandanten bieten dagegen ausreichende Garantien. Die parteiamtlichen Verlautbarungen natürlich noch weniger. Denn wenn auch jedem Zionisten Mahrauns Erklärung, er sei noch lange kein Antisemit, weil er für den Jungdeutschen Orden das Recht deutschvölkischer Erziehung beanspruche, sehr wohl verständlich ist, und wenn wir auch seine Aeußerungen über Staatsbürgertum nur als Bestätigung unserer Ideologie betrachten können, so vermögen wir doch noch nicht zu sagen, wie weit der Orden seinem Hochmeister folgt und ebenso staatsbürgerlich denkt und — was wichtiger ist — handelt. Solange die neue Partei, die auf so seltsame Art ins Leben getreten ist, uns noch nichts anderes gezeigt hat, als ein verwaschenes Programm und ein paar Wahlreden, die allzudeutlich das Fehlen einer einheitlichen staatspolitischen Idee erkennen lassen, sollten wir darauf verzichten, ihr unsere Stimme zu geben. So bleibt uns nur die SPD. Das mag manchem von uns schmerzlich sein. Auch ich hätte meine Stimme lieber einer sozialrepublikanischen Partei bürgerlicher Staatsgesinnung gegeben, als einer Partei, deren beste Elemente auch als Minister ihre marxistische Herkunft nicht vergessen und nicht verleugnen. Aber eine solche Partei gibt es — solange die Staatspartei das Gegenteil nicht bewiesen hat — in Deutschland nicht. Wer sein Wahlrecht so ausüben will, wie das Interesse der jüdischen Gesamtheit in Deutschland es erfordert, der wird deshalb zur Vermeidung der für uns gefährlichen Bürgerblocks sozialdemokratisch wählen müssen. Ein bedauerlicher Zustand für jeden, dem politische Betätigung Wille zu konstruktiver staatsbürgerlicher Leistung bedeutet. Aber der einzige Weg, der aus dieser Situation herausführen könnte, wäre zionistisch nicht unbedenklich: die aktive Betätigung innerhalb der Partei, welche wenigstens die Möglichkeit zu einer sozialrepublikanischen politischen Aktivität bieten könnte, in der Staatspartei. Zionistisch nicht unbedenklich, weil dadurch die sehr kleine Zahl von Menschen, die zu politischer Arbeit im und für den Zionismus bereit und geeignet ist, noch verringert würde. Und doch — vielleicht ist solche Mitarbeit in der deutschen Politik nicht nur ein Gebot der Staatsbürgerpflicht, sondern eine zionistische Aufgabe. Jedenfalls sollten wir uns im Kartell darüber einmal ernsthaft unterhalten. * Man muß sagen: Pollack hat sich seine Sache etwas zu leicht gemacht. Man merkt seinen Ausführungen an, daß das Ziel seiner Beweisführung für ihn sehr viel früher feststand, als die Einzelheiten seiner Analyse. Die Volkspartei lehnt er ab, weil sie das „besitzbürgerliche Klasseninteresse" repräsentiert, dem er eine ganz Undefinierte „salus publica" gegenüberstellt. Das Zentrum scheidet für ihn aus, weil es „erst jene unsoziale und durchaus bürgerlich-klassenkämpferische Regierung" möglich gemacht habe, an deren Spitze Brüning steht. So einfach und summarisch kann ein Marxist argumen- 26

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