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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 26)
Language
German
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Parteibonzen ab. Sie sahen in ihm die Ursache nicht nur für die galoppierende Schwindsucht der DDP., sondern auch für den hoffnungslosen Verfall des politischen Willens und der politischen Sauberkeit in der jungen deutschen Republik. Diese Kreise führten daher mit wachsendem Erfolg einen energischen Kampf gegen die Parteioffiziellen. Es ist kein Zufall, daß sich auch innerhalb der Deutschen Volkspartei, in einem politischen Lager also, dessen wirtschaftliche Grundlagen mehr industriell waren, ähnliche Tendenzen in einem bestimmten Kreise der Jugend, vornehmlich in Westdeutschland, bemerkbar machten. Und es ist noch weniger ein Zufall, daß der einzige Staatsmann der deutschen Republik, Gustav Stresemann, seinen jungen volksparteilichen Freunden zu einer Annäherung an den Lemmer- Kreis riet. Bei der Entwicklung, die der Jungdeutsche Orden während der gleichen Jahre nahm, der Entwicklung von einer romantisch-rechtsradikalen Jugendbewegung zu einer staatspolitisch positiven Organisation, wurde seine Annäherung an einzelne Personen des jungvolksparteilichen Kreises und seine Aussöhnung mit Stresemanns Außenpolitik allmählich möglich. Und da in diesen beiden Gruppen ebenso wie bei den Jungdemokraten jene starke idealistische Leidenschaft zum eigenen Volk und Staat lebendig war und ist, denen wir jungen Juden unseren zionistischen Elan verdanken, so war es begreiflich, daß die führenden Menschen jeder dieser drei Gruppen den Willen zur aktiven Teilnahme am Staatsgeschehen und zu einer Reinigung der politischen Atmosphäre empfanden. Der gegebene Weg dazu schien der politische Zusammenschluß der bürgerlichen Jugend zu einer Partei, deren wesentliche programmatische Forderungen Bejahung der Nation, Präponderanz des Staats gegenüber der Wirtschaft, soziale Republik statt Interessentenhaufen sein sollten. Als der letzte Reichstag aufgelöst wurde, war die geistige Annäherung der drei Gruppen junger deutscher Menschen schon recht weit vorgeschritten. Ob ein organisatorischer Zusammenschluß zu einer „Deutschen Staatspartei" — die im bewußten Gegensatz zu dem liberalen Besitzbürgertum stehen sollte — schon durch Verhandlungen vorbereitet war, ob diese Verhandlungen erst unmittelbar nach der Reichstagsauflösung aufgenommen wurden, ist mir nicht bekannt. Fest steht jedenfalls, daß eine solche Parteigründung auch von einigen älteren Politikern der Demokratischen und der Volkspartei, so von dem preußischen Finanzminister Höpker-Aschoff und dem Herausgeber der „Kölnischen Zeitung" Neven-Dumont, unterstützt wurde. Offenbar hat der Vorsitzende der Demokratischen Partei, Koch- Weser, in der Erkenntnis, daß die Gründung der Staatspartei der DDP. den Todesstoß versetzen würde, nach alter Demokratensitte sich auf den Boden der gegebenen Tatsachen und den Parteiapparat der DDP. der neuen Partei zur Verfügung gestellt, nur, um selbst mit von der Partie zu sein. So ist die Staatspartei etwas sehr anderes geworden, als ihre geistigen Urheber meinten: ein Neuaufguß der DDP., versetzt mit einigen Tropfen Jungdo und Jungdemokratie. Die jüngst veröffentlichte Kandidatenliste enthält neben einigen sehr begrüßenswerten Vertretern der Jugend doch wieder die unerfreulichsten Erscheinungen der alten Garde: die Koch, Hansa-Fischer, Hummel, Bäumer und Oscar Meyer. Warum sollte eine so zusammengesetzte Reichstagsfraktion nicht bereit sein, eine Bürgerblock- 25

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