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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 22)
Language
German
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daß Palästina imstande ist, eine sehr große Zahl von Juden aufzunehmen, dann kann und muß es dauernd die für eine kämpferische Bewegung beste seelische Verfassung geben, gleichgültig was kommt, da es ja einen Rückzug nicht geben kann. Nicht wir haben alles auf eine Karte gesetzt, sondern das jüdische Leben zeigt, daß uns eine große Chance der Erneuerung und Erlösung geblieben ist, und wohl der nationalen Bewegung, die bei einer aufrichtigen Prüfung keine Wahl hat zwischen verschiedenen Möglichkeiten. In dem Gedanken, daß es keinen anderen Ausweg gibt, liegt die Stärke und Erfolgsgewißheit des Zionismus. Der Zionismus bringt die Lösung der Judenfrage in dieser und der nächsten Generation. Heute ist der Jischuw von 160 000 Juden das wichtigste Ereignis der jüdischen Welt. Kommen wir zu einer Verdoppelung oder Verdreifachung dieser Zahl, dann wird es keinen Kreis jüdischer Menschen im Galuth geben, der nicht durch persönliche Beziehung und materielles Interesse mit Palästina verbunden ist. Dann wird auch ein ganz neuer Faktor im jüdischen Leben auftreten und für das zukünftige Wachsen werden dann n;cht nur die Kräfte des Galuthjudentums eingesetzt werden können, sondern auch das Eigengewicht des Jischuw im Lande. Wir machen heute die schwierigste Phase der Entwicklung durch. Je fundierter unser Werk ist, je größer die Zahl der Siedler wird, um so mehr Möglichkeiten werden sich eröffnen. Wenn wir heute politische Ziele fixieren, die unseren Bedürfnissen genügen und die wir als eine befriedigende Antwort empfinden, so dürfen wir nicht in politischen Kategorien denken, die im Jahre 1897 oder im Jahre 1914 allein beherrschend waren. Der Begriff der Freiheit des Lebens ist heute in der ganzen Welt nicht mehr mit dem Staatsbegriff identisch. Wie sehr wir auch unsere Macht zu entwickeln vermögen, wie sehr es uns auch gelingt, die Aufnahmefähigkeit des Landes zu steigern, wir werden damit zu lechnen haben, daß in dem palästinensischen Staat die arabische Nation ihren gleichberechtigten Platz haben wird und haben muß. In der politisch vergifteten Atmosphäre, in der Begriffe wie Brith Schalom und Revisionismus Symbolcharakter tragen, bleibt es Zionisten verborgen, daß die Repräsentanten verschiedenster Anschauungen — ich nenne hier nur Rutenberg, Smilanski und Ben Gurion — wer den Zionismus kennt, für den ist jeder dieser Namen ein nationales Programm — heute schon öffentlich erklären, daß die arabische Frage das Hauptproblem unserer Politik ist. Es ist unwahr, daß die Existenz des arabischen Volkes uns in einen tragischen unauflöslichen Konflikt hineinführt. Halten wir an Palästina fest und wissen wir, daß keine andere territoriale Lösung in Betracht kommt, dann sollten wir auch erkennen, daß wir mit der Araberfrage nicht nur fertig werden müssen, daß wir auch mit ihr so fertig werden können, daß den Bedürfnissen der national-politischen Entwicklung und der vollen Freiheit jüdischen Lebens Rechnung getragen wird. Wer heute in den Bannkreis des Zionismus eintritt, der hat eine Schwierigkeit im Erkennen zu überwinden. Er steht der Realität Palästinas nicht mehr so fern wie jene, die vor Jahrzehnten von weitem in ihren Gedanken das große fertige Gebäude der öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina zu sehen vermochten, er steht der Ver- 21

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