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Der jüdische Student · 1930-08-01 · Heft 7-8 (August 1930) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
27 (1930)
Issue
Heft 7-8 (August 1930)
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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tungbestimmende, Meinungsverschiedenheiten im zionistischen Lager. Wer sich heute außerhalb des politischen Tageskampfes die Frage vorlegt, was die aus der Zeit, in der sie geschrieben wurden, zu verstehenden Artikel Achad Haams bedeuteten, der wird feststellen müssen, daß es sich um eine Wert bestimmung der palästinensischen Judenheit innerhalb des Gesamtjudentums handelt. Eine solche Wertbestimmung schien denen erforderlich zu sein, die mit sehr begrenzten Einwanderungsmöglichkeiten rechnen zu müssen glaubten und doch an der entscheidenden Bedeutung Palästinas für die jüdische Zukunftsentwicklung festhalten wollten. Der formale Nationalismus, der mit größeren Möglichkeiten rechnete, glaubte auf eine solche Wertbestimmung verzichten zu können. Es ist interessant, daß die Führung des siegreichen praktischen Zionismus, die an die Wirklichkeit Palästinas unmittelbar heranging, stark durch Achah Haam beeinflußt war, während der politische Zionismus, der alle aktuellen Kolonisationsprojekte ablehnte, die große unmittelbare Lösung der Judenfrage versprechen zu können glaubte, weil er nur die Schwierigkeit des politischen Erfolges sah, nicht aber das Problem der mit diesem Erfolge verbundenen Massensiedlung im Lande. Die Antithesen, die heute im politischen Tageskampf in sehr überspitzter Form vorgetragen werden, entspringen mehr dem Bedürfnis der Parteigruppenbildung als den Erfordernissen unseres Lebens. Das Bedürfnis der Wertbestimmung ist durch Erfahrung und Entwicklung so stark mit der Erforderlichkeit von Quantitätsvorstellungen verbunden worden, daß der Gedanke der Möglichkeit eines geistigen Zentrums unabhängig von dem Leben eines großen sich auf alle Gebiete organischer Entwicklung erstreckenden jüdischen Volkes in Palästina als Sinnlosigkeit empfunden wird. Der entscheidende Grund liegt darin, daß die Entwicklung im Weltjudentum in überraschend schnellem Tempo vor sich geht und daß das echte Bedürfnis besteht, unsere Fortschritte in Palästina irgendwie in Einklang mit den Erfordernissen der Weltjudenfrage zu bringen. Reine Qualitätsforderungen erscheinen unwichtig, wenn das Schicksal von Millionen auf dem Spiele steht. Der palästinozentrische Zionismus, der durch die inneren Triebkräfte im Judentum allein Existenzberechtigung hat, muß also zugleich erklären können, welche Möglichkeiten Palästina bietet und warum die Verwirklichung auch eines durch reale Bedingungen begrenzten Zionismus als Lösung der Judenfrage anerkannt werden kann. Für die Richtigkeit der zionistischen Lösung ist der Beweis ausreichend, daß Palästina imstande ist, durch geeignete Kolonisation in absehbarer Zeit viele Hunderttausende von Juden aufzunehmen, daß es also das wichtigste Einwanderungsland für Juden sein kann und in Wahrheit das einzige große Immigrationszentrum sein wird. Es ist müßig, eine Höchstzahl festzustellen; keine noch so gründliche wissenschaftliche Untersuchung kann abschließend Urteile über die Kapazität eines Landes abgeben. Was wir heute über die Fassungskraft des Landes mit Sicherheit aussagen können, ist befriedigender, als wir in? früheren Zeiten zionistischer Entwicklung anzunehmen berechtigt waren. Der Pflanzungsbau, intensive Kulturen jeder Art, Industrie in den Städten, haben uns neue Chancen eröffnet. Die Schwierigkeiten unserer Argumentation liegen im wesentlichen darin, Juden, die niemals mit dem konstruk- 19

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