Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Allwelil. Kongreß für das arbeitende Palästina Am 27. September findet in Berlin der „Allweltliche Kongreß für das arbeitende Palästina" statt. Es ist nicht leicht, jüngeren oder gar „rechts"stehenden älteren Bundesbrüdern die Bedeutung dieser Tagung klarzumachen. Denn in unserem Kartell ist in den letzten Jahren wohl oft der Revisionismus und sein Problem teils offen, teils heimlich, immer aber als sensationelle Angelegenheit behandelt worden, während die Dinge der palästinensischen Arbeiterschaft und der zionistischen Arbeiterparteien zwar mit wohlwollenden, aber doch immer nur halb interessierten Augen betrachtet wurden. Das hat viele Ursachen, die jetzt nicht erörtert werden sollen, nicht zuletzt ist es die Schwäche der Arbeiterparteien selbst innerhalb des allgemeinen bürgerlichen deutschen Zionismus. Wir haben verhältnismäßig wenig Anhänger des Hapod Hazair und der Poale Zion in den Reihen des K. J.V. Es könnte und müßte anders sein. Und vielleicht ist jetzt Gelegenheit, dies zu ändern und die Interessen derjenigen Bundesbrüder wachzurufen, die ihrer Anschauung nach in die Reihe der Freunde und Kämpfer für das „Arbeitende Erez Israel" gehören. Und ich glaube, es sind mehr, als es die Unbewegtheit und Teilnahmslosigkeit des Kartells vermuten läßt. Doch ohne Polemik, liebe Bundesbrüder: Wer von euch sieht nicht die Bedeutung eines Kongresses ein, auf dem — vielleicht zum ersten Male — nicht nur Zionisten, sondern auch Vertreter nichtzionistischer Arbeitervertreter für das arbeitende Palästina demonstrieren werden. Die großen jüdischen Gewerkschaften in Amerika, vertreten durch ihren Generalsekretär Fineston und andere namhafte Abgeordnete, reisen erst nach Palästina, um mit frischen Anschauungen in Berlin erscheinen zu können. Und man muß wissen, daß diese Gewerkschaften sich in früheren Jahren oft gegen den Zionismus erklärt haben. Auch die Amsterdamer Internationale hat Delegierte zum Kongreß ernannt, unter ihnen einen Enkel von Karl Marx. Viele große sozialistische Führer aller Länder beteiligen sich, wie Vandervelde, Viktor Bäsch, in Deutschland Buber, Eduard Bernstein, Oscar Cohn, Arnold Zweig. Was erwartet die Arbeiterschaft Palästinas, der ganze Zionismus von diesem Kongreß? Zunächst ein positives Bekenntnis für die palästinensische Arbeiterschaft, darüber hinaus eine3 Demonstration für die ungestörte Einwanderung. Kein Zweifel, daß ein Protest von dieser Warte aus eine gewaltige Wirkung haben wird. Dieser Kongreß wird berechtigt sein, der englischen Arbeiterregierung eine Rüge zu erteilen und wird es tun. Wie .die Jewish Agency eine Erweiterung der zionistischen Organisation ^zu..; einer Organisation aller Palästinafreunde bedeutet, so dieser All weit- ^Iic'lie Kongreß und die von ihm zu schaffende Organisation eine Erweiterung der zionistischen Arbeiterparteien. Hier aber treten nicht einzelne Notable auf, sondern die Massen selbst. 13