Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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aber dieser Versuch, zeigen sollte, hat er gezeigt: daß nämlich diese Art der Behandlung von Problemen durchaus geeignet ist^infdie behandelten Stoffe einzuführen und das Thema plastisch und anregend darzustellen. Man solle es also nicht bei diesem einen Versuch bewenden lassen, sondern in den Unterricht des K.J.V, als Lehrmittel einführen, Grundsätzlich könnte man aber einwenden, daß es uns nicht darauf ankommen kann, eine neue Diskussionsform zu finden, die nur Diskussion und noch dazu in der Form beinahe einer Theatervorstellung ist und zweitens, daß wir kein Interesse daran haben, Leute dazu zu bringen, Standpunkte, die nicht die ihren sind, die vielleicht unzionistisch oder antizionistisch sind, so zu vertreten, als ob sie selber diese Anschauung hätten. Um das zweite vorweg zu nehmen: ich glaube, daß das nicht richtig ist, Wenn wir uns mit den Schwierigkeiten, die der Durchführung des Zionismus auf allen Gebieten entgegenstehen, befassen und auseinandersetzen, so wird es kein Fehler sein, wenn unsere Bundesbrüder den Standpunkt des Gegners so genau kennen lernen, daß sie in der Lage sind, sich in seine Situation zu versetzen. Man kann dem Gegner um so besser widerlegen, je genauer man ihn kennt, und die Ueberwindung der Schwierigkeiten, die Widerlegung des Gegners ist ja letzten Endes Ziel unserer Erziehung. Der erste Einwand hat zweifellos einiges für sich. Es ist gefährlich, wenn man in Form von Schaustellungen Probleme behandelt, und es ist zu befürchten, daß durch diese Form eine Diskussion großgezogen wird, an der wir gar kein Interesse haben. Diese Gefahr scheint mir aber vermeidbar zu sein, wenn man die Methode des „Debating Club" in der richtigen Weise vorbereitet und anwendet. Es kommt nämlich nicht so sehr darauf an, in einer einmaligen Aufführung diese Dinge darzustellen und sie darstellen zu lassen von Leuten, die sie vielleicht schon kennen und die dann wirklich nichts anderes tun, als mit rhetorischen Glanzleistungen sich gegenseitig zur Freude der Zuschauer zu bekämpfen. Der „Debating Club" hat nur Sinn — und darin liegt auch das Mittel zur Bekämpfung der Gefahr, die er in sich birgt — wenn er wirklich gut vorbereitet wird. Ich stelle mir vor, daß sich zu Anfang eines Semesters eine Verbindung die Aufgabe stellt, ein bestimmtes Problem zu behandeln, und daß sie sich das ganze Semester über intensiv mit diesen Problemen nach allen Richtungen hin befaßt. Am Schluß des Semesters soll man dann diejenigen Bundesbrüder, die dazu geeignet sind, die verschiedenen Standpunkte gleichsam zusammenfassend noch einmal herausarbeiten und plastisch darstellen lassen. Das hat dann einen doppelten;Sinn. Einerseits wird die Schaustellung kompensiert durch gründliche Vorbereitung, andererseits wird sie zu einer deutlichen Zusammenfassung der wesentlichen Gesichtspunkte. Weiter wird die Vorbereitung belebt durch das-Ziel der Darstellung am Schluß des Kurses. Auf diese Weise scheint mir, daß thier^ein Gegenmittel;i$c«r'^v^/> gegen die oft bekämpfte Langweiligkeit und Eintönigkeit unsererzionistischen Kurse vorhanden ist. Freilich darf das nie ausarten zu einer ober-..,. * flächlichen Theatervorstellung, sondern es hat nur Sinn, wenn es gut fundieiir--'^ und richtig vorbereitet ist. Ich glaube, daß wir im nächsten Semester weitere Versuche in dieser Richtung machen sollten und hoffe, daß wir damit einigen Erfolg haben werden. , HeinzGerling. 12