Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 27 (1930)
- Issue
- Heft 7-8 (August 1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Verhältnis der beiden Gruppen auszugleichen. Die Gruppe des sozialistischen Zionismus habe, weil sie früher ihre organisatorische Form gefunden habe, den entscheidenden Einfluß auf die Zionistische Organisation erlangt und dadurch alles bewirkt, was den Zionismus in seine jetzige Situation gebracht habe. Das Privatkapital sei durch die Herrschaft dieser Gruppe im Zionismus von Palästina abgeschreckt worden; der Mittelstand sei als aufbauende Kraft zerbrochen und ausgeschaltet worden; unsere politische Stellung sei geschwächt worden, weil nur ein Judenstaatszionismus imstande sei, politische Wirkungen und Erfolge zu erzielen; endlich sei die zionistische Jugendbewegung zusammengebrochen, weil der allgemeine Zionismus der Ideologie der Linken nichts gleichwertiges habe gegenüberstellen können. Der Sinn der Tagung der Revisionisten sei, den Anfang mit der Konsolidierung der Judenstaats-Zionisten zu machen. Schon im nächsten) Jahre müßte es einen Kongreß der Judenstaat s-Zionisten geben, mit dem eine neue Epoche in der Geschichte des Zionismus beginnen werde. * Die politische Entwicklung in Deutschland „Die Vorgänge in Thüringen und das Ergebnis der Landtagswahlen in Sachsen zeigen aber, daß die gegenwärtige Politik des Desinteressements auf die Dauer nicht haltbar ist. Das ist jedenfalls das Empfinden der studierenden Bundesbrüder, die — ob sie wollen oder nicht — ständig dieser Art von radikaler Propaganda gegenübergestellt werden." Ich glaube, daß diese Sätze aus einer Bemerkung des letzten J.St. von der Aktivitas voll und ganz unterschrieben werden können. Es mag sein, daß an den preußischen Hochschulen, wo es eine staatlich anerkannte studentische Selbstverwaltung im Augenblick nicht gibt, die Verhältnisse weniger auf eine entschiedene Stellungnahme seitens der Kartellorganisationen drängen. An den Universitäten aber, wo auch die Minderheiten zum Asta wählen — also gerade in Baden — wo wir zwei große Verbindungen haben, ist das durchaus der Fall. Man darf dort sagen, daß die Abstinenz von den Vorgängen in der deutschen Politik, die früheren KJ.V.er-Generationen geübt haben, heute unfruchtbar ist und auch praktisch nicht mehr beobachtet wird. Eine prinzipielle Stellungnahme in diesen Fragen darf nicht länger vermieden werden. Es ist doch so, daß bei der ständig steigenden Flut des Antisemitismus auch wir nicht länger abseits stehen können, wenn uns diese neue Welle keineswegs überrascht. Die Uebernahme der Abwehrarbeit durch die Gemeinden beginnt akut zu werden, und wir müssen den Kreisen, die diese Arbeit bisher mit Methoden, die uns nicht gut schienen, geleistet haben, mit einem bestimmten Programm entgegentreten. Ganz allgemein wird es wahrscheinlich in absehbarer Zeit auch nötig sein, -unsere grundsätzliche Einstellung zur Frage des Staatsburgertums , wieder zur Debatte zu stellen. Es kann nicht zweifelhaft sein, daß unsere , bisherige Argumentation in demokratisch-parlamentarisch regierten Staaten vollauf genügte, und ferne sei mir irgendein „patriotisches" Bedenken. Aber die fühlbare Entwicklung nach rechts, die die deutsche Politik nimmt und 8